
Reisende, die Geschäfts- oder Freizeitreisen in die Schweiz planen, haben nun ein zusätzliches Jahr Zeit, bevor sie sich für das neue europäische Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) der EU anmelden müssen. Laut einem Bericht der Financial Times, der am 8. Juli 2026 von Euronews zitiert wurde, hat EU-LISA – die Agentur, die die Plattform entwickelt – intern eingeräumt, dass ein Start von ETIAS „bis Ende dieses Jahres nicht mehr realistisch“ sei, nachdem die Einführung des Schengen-Einreise-/Ausreisesystems (EES) holprig verlaufen ist. Das EES ist seit April 2026 vollständig in Betrieb und wird bereits an den Schengen-Außengrenzflughäfen der Schweiz in Zürich, Genf und Basel genutzt. Obwohl das System die bisherige Passstempelung durch schnelle biometrische Kontrollen ersetzen soll, führt es an mehreren europäischen Drehkreuzen zu langen Warteschlangen. Die Luftfahrtverbände ACI EUROPE, Airlines for Europe (A4E) und IATA warnten am 1. Juli, dass die Situation einen „kritischen Punkt“ erreicht habe, mit Wartezeiten von bis zu vier Stunden an bestimmten Grenzübergängen. Auch Schweizer Fluggesellschaften und Flughäfen äußerten ähnliche Bedenken und raten Reisenden, in der geschäftigen Sommersaison mehr Zeitpuffer einzuplanen. ETIAS, oft als „Europas ESTA“ bezeichnet, wird von visumfreien Staatsangehörigen aus 60 Drittstaaten – darunter die USA, Großbritannien, Australien und Kanada – verlangen, vor der Einreise in den Schengen-Raum eine elektronische Reisegenehmigung im Wert von 20 Euro zu beantragen. Für diese Zwecke umfasst der Schengen-Raum alle EU-Staaten außer Irland sowie Island, Norwegen, Liechtenstein und die Schweiz. Die Genehmigung ist drei Jahre gültig und wird von den Fluggesellschaften vor dem Boarding automatisch überprüft. Der ursprünglich geplante Starttermin war das letzte Quartal 2026 mit einer sechsmonatigen Übergangsfrist. Die Verschiebung von ETIAS entlastet kurzfristig die Schweizer Grenzstellen und Fluggesellschaften, die befürchteten, die Vorabgenehmigungsprüfungen zusätzlich zum noch nicht vollständig etablierten EES durchführen zu müssen. Dennoch verlängert die Verzögerung die Unsicherheit für Reiseleiter, Reiseveranstalter und globale Mobilitätsteams, die ihre Richtlinien und Kundeninformationen bereits anpassen. Sie sollten weiterhin Mitarbeiter und Entsandte auf die künftige ETIAS-Compliance vorbereiten – insbesondere hinsichtlich Bearbeitungszeiten, Datenschutz und möglicher Ablehnungen – können Systemintegrationsprojekte und Budgetplanungen jedoch bis zur endgültigen Terminbestätigung zurückstellen. Aus politischer Sicht verdeutlicht der Vorfall die Komplexität, groß angelegte digitale Grenzprogramme über 30 Schengen- und assoziierte Staaten, darunter die Schweiz, zu synchronisieren. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit in Bern steht weiterhin unter Druck, die Engpässe beim EES an Schweizer Flughäfen zu reduzieren, bevor der nächste Schritt – die vollständige Interoperabilität mit ETIAS und die Erneuerung der Schengen-Informationssysteme – in Betrieb genommen wird. Unternehmen, die Personal in die Schweiz entsenden oder durch das Land bewegen, sollten in den kommenden Monaten weitere Mitteilungen von EU-LISA und Briefings des Schweizer Bundesrats aufmerksam verfolgen.
Quelle: Euronews