
Nur wenige Wochen vor dem Start der Live-Testphase des neuen EU-Ein- und Ausreisesystems (EES) haben Paris und London eine Last-Minute-Vereinbarung getroffen, um das Personal an den grenzüberschreitenden Kontrollstellen in Dover, Folkestone und London-St Pancras sowie in Calais und am Eurostar-Terminal Paris-Nord aufzustocken. Laut dem britischen Verkehrsministerium wird Frankreich ab dem 19. Juli zusätzlich 120 Beamte der Police aux Frontières auf britischem Boden stationieren, während das Vereinigte Königreich weitere 20 biometrische Kioske und Schnellspur-Lanes finanziert. Die Vereinbarung folgt auf wachsende Besorgnis bei Fährbetreibern, Eurotunnel und Eurostar, dass Fingerabdruck- und Gesichtserkennungschecks pro Passagier zwei Minuten Verzögerung verursachen und während der Hauptreisezeit kilometerlange Warteschlangen auslösen könnten. Eine Simulation des Fährverbands Interferry deutete darauf hin, dass die Wartezeiten samstags ohne Gegenmaßnahmen bis zu vier Stunden betragen könnten. Französische Behörden betonen, dass das zusätzliche Personal ihnen die Flexibilität gibt, bei Ausfall der biometrischen Kioske wieder vollständig auf manuelle Stempelung umzuschalten – ein Problem, das Anfang des Monats am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle auftrat. Die Vereinbarung umfasst zudem eine gemeinsame Einsatzleitstelle und die Verpflichtung, an Wochenenden mit hohem Verkehrsaufkommen, die von Bison Futé identifiziert wurden, alle Kontrollstellen zu öffnen. Für Arbeitgeber, die Mitarbeiter oder Ausrüstung über den Ärmelkanal bewegen, bietet die Ankündigung kurzfristig Sicherheit, beseitigt jedoch keine strukturellen Risiken. Mobilitätsmanager werden geraten, Zugtickets frühzeitig zu buchen, Reisende über die biometrische Erfassung zu informieren und sicherzustellen, dass ATA-Carnets und Arbeitserlaubnisse vollständig sind, um Nachkontrollen zu vermeiden. Langfristig sollten Unternehmen beobachten, ob die EU eine weitergehende Ausnahmeregelung für Drive-on/Drive-off-Häfen gewährt, wie von neun Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, beantragt. Falls die Regeln bis September nicht gelockert werden, warnen die Betreiber, dass der Güterverkehr und Tagesgeschäftsreisen stark eingeschränkt werden könnten.
Quelle: The Guardian
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