
Der langwierige Versuch Zyperns, sein gescheitertes Staatsbürgerschaft-durch-Investition-Programm (CBI) endgültig abzuschließen, stieß am 9. März auf einen weiteren Verfahrensrückschlag, als das Strafgericht in Nikosia zustimmte, die Eröffnungsplädoyers im sogenannten „Goldenen Pass“-Fall zu verschieben. Acht Personen – darunter der ehemalige Verkehrsminister Marios Demetriades – sowie zwei Anwaltskanzleien sehen sich einer Vielzahl von Anklagen gegenüber, die von Verschwörung zum Betrug der Republik bis hin zu Geldwäsche reichen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, mindestens 19 ausländischen Investoren durch gefälschte Finanzunterlagen und die Verschleierung von Provisionen über Briefkastenfirmen zypriotische Staatsbürgerschaften verschafft zu haben. Die Anhörung am Montag sollte den offiziellen Beginn der Zeugenaussagen markieren. Stattdessen verwiesen die Richter auf eine überlastete Verfahrensliste und verlegten den Termin auf den 8. Juli, was der Verteidigung weitere vier Monate verschafft, um Zehntausende Seiten an Beweismaterial zu prüfen. Die Vertagung verlängert die Unsicherheit für betroffene Investoren, deren Pässe bei Verurteilungen widerrufen werden könnten, und hält Zypern nur wenige Monate vor der Übernahme der Ratspräsidentschaft der EU im Fokus der Gemeinschaft. Hintergrund – Das CBI-Programm, das zwischen 2007 und 2020 über 7.000 Investoren die Staatsbürgerschaft gewährte, wurde nach einer verdeckten Al-Jazeera-Enthüllung eingestellt, die zeigte, wie hochrangige Beamte offenbar bereit waren, Regeln zu umgehen. Eine anschließende Untersuchung ergab, dass mehr als die Hälfte der Pässe rechtswidrig ausgestellt wurden. Bislang hat die Regierung 222 Pässe widerrufen und überprüft Hunderte weitere, doch Brüssel warnt weiterhin vor „systemischen Risiken“ für den Schengen-Raum, solange Schlupflöcher bestehen. Praktische Folgen – Multinationale Personalabteilungen setzen weiterhin auf Zyperns beschleunigten Weg zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung, um Technikmitarbeiter zu verlagern, doch der Fall verdeutlicht strengere Compliance-Anforderungen. Einwanderungsberater berichten, dass verstärkte Due-Diligence-Prüfungen, Herkunftsnachweise der Gelder und Screening politisch exponierter Personen inzwischen Standard sind, was die Bearbeitungszeiten von zwei auf sechs Monate verlängert. Unternehmen, die Zypern als EU-Sprungbrett nutzen wollen, sollten längere Vorlaufzeiten einplanen und mögliche Nachprüfungen nach der Genehmigung einkalkulieren. Ausblick – Sollte der Prozess im Juli stattfinden, könnten die Urteile mit Zyperns Bestrebungen zusammenfallen, Anfang 2027 dem Schengen-Raum beizutreten. Eine Verurteilung würde Nikosia dabei helfen, zu belegen, dass Altlasten bereinigt werden; eine weitere Verzögerung oder ein Freispruch könnte hingegen die EU-Forderungen nach einem Verbot künftiger investitionsgebundener Einbürgerungsprogramme im gesamten Block neu entfachen.
Quelle: Cyprus Mail