
In einer scharfen Kritik an der unter der Biden-Regierung eingeleiteten Politikänderung, die diesen Winter begann, erließ der US-Bezirksrichter Richard Stearns am späten Montag eine einstweilige Verfügung, die das Immigration and Customs Enforcement (ICE) daran hindert, Flüchtlinge in Massachusetts festzuhalten, die noch nicht die einjährige Frist für die Beantragung eines dauerhaften Aufenthaltsstatus (LPR) erreicht haben. Der Fall – International Institute of New England gegen ICE – wurde von vier kürzlich angekommenen Flüchtlingen und der in Boston ansässigen Umsiedlungsagentur, die sie unterstützt, eingereicht. Die im Dezember erlassene Anweisung hatte Feldbeamten erlaubt, Flüchtlinge erneut in Gewahrsam zu nehmen, um eine erneute „Inspektion und Prüfung zur Einreise“ durchzuführen, falls sie innerhalb von zwölf Monaten nach ihrer Ankunft keine Green Card erhalten hatten. Befürworter kritisieren, dass diese Regelung jahrzehntelange Praxis auf den Kopf stellte, nach der Flüchtlinge rechtmäßig anwesend waren und lediglich ermutigt wurden, nach einem Jahr einen Antrag auf Statusanpassung zu stellen. Stearns stimmte dem zu und schrieb, die Regierung verwechselte „Gewahrsam“ mit „Festnahme“ und die Kläger hätten gute Chancen, auf gesetzlicher Grundlage Erfolg zu haben. Praktisch schützt die Verfügung schätzungsweise 2.100 Flüchtlinge in Neuengland – viele von ihnen in der Gastronomie, im Gesundheitswesen und in der Produktion beschäftigt – vor überraschenden Festnahmen, während der Rechtsstreit läuft. Arbeitgeber, die auf Flüchtlingsarbeit angewiesen sind, sehen in dem Urteil eine Vermeidung von personellen Engpässen in einer Zeit, in der die Arbeitslosenquote in der Region unter 3 Prozent liegt. Für Manager im Bereich globale Mobilität unterstreicht die Entscheidung die Bedeutung, Flüchtlinge bei der fristgerechten Beantragung der Green Card zu unterstützen und jeden Schritt sorgfältig zu dokumentieren. Obwohl die Verfügung landesweit gilt, könnte das Heimatschutzministerium (DHS) Berufung einlegen oder versuchen, die Richtlinie mit Änderungen neu zu erlassen. Unternehmen sollten Alarme in ihren HR-Systemen einrichten, um an bevorstehende Einjahresfristen zu erinnern, rechtliche Unterstützung für Anträge auf Statusanpassung einplanen und Notfallpläne für den Fall einer Wiederaufnahme der Durchsetzung vorbereiten. Der Fall zeigt zudem einen größeren Trend: Bundesgerichte sind zunehmend bereit, Durchführungsanweisungen zu überprüfen, die ohne öffentliche Anhörung und Kommentierung von langjähriger Praxis abweichen. Mit der Zunahme von Rechtsstreitigkeiten müssen Mobilitätsprogramme nicht nur gesetzliche Änderungen, sondern auch untergeordnete Verwaltungsvorschriften im Blick behalten, die Compliance-Anforderungen über Nacht verändern können.
Quelle: Axios Boston