
Der wichtigste Zugangspunkt Finnlands, der Flughafen Helsinki, hat am Wochenende seinen ersten echten Belastungstest des neuen biometrischen Ein- und Ausreisesystems (EES) der EU bestanden – nur vier Tage nachdem das System am 10. April im gesamten Schengen-Raum vollständig in Betrieb genommen wurde. Nicht-EU-Reisende, die am Sonntagmorgen ankamen, berichteten von Wartezeiten von bis zu drei Stunden an den neuen Kiosken, da das Grenzpersonal mit fehlerhaften Fingerabdruckerkennungen und Reisenden, die mit dem Verfahren nicht vertraut waren, zu kämpfen hatte. Der Flughafenbetreiber Finavia bestätigte, dass drei Abflüge mit mehr als 40 Prozent der Passagiere, die noch in der Warteschlange standen, starteten, was die Fluggesellschaften zwang, Flüge umzubuchen oder umzuleiten. Die finnische Grenzpolizei erwartet, dass die Anlaufschwierigkeiten „mehrere Wochen“ andauern werden, während zusätzliche Kioske installiert und Reisende darin geschult werden, Handschuhe und Gesichtsbedeckungen vor dem Scannen abzunehmen. Die Behörde nutzt Echtzeitdaten aus dem EES, um Stoßzeiten zu identifizieren und die Personaleinsatzpläne anzupassen – Informationen, die im alten System mit Passstempeln nicht verfügbar waren. Fluggesellschaften und Flughafenverbände drängen nun Brüssel, einen temporären „An-Aus-Schalter“ zuzulassen, damit Mitgliedstaaten die EES-Kontrollen während kritischer Reisezeiten wie dem 1. Mai und der Mittsommerzeit aussetzen können. Eine gemeinsame Erklärung von Airlines for Europe (A4E) und ACI Europe warnte, dass ohne diese Flexibilität ein „systemisches Versagen“ in die Sommersaison hineinreichen und das Vertrauen in Europas Drehkreuz-Flughäfen untergraben könnte. Für Manager der Unternehmensmobilität ergeben sich daraus unmittelbare Konsequenzen: Entsandte aus visumfreien Ländern hinterlassen bei jeder Grenzüberquerung Finnlands nun eine digitale Spur, was unbeabsichtigte Schengen-Überschreitungen für die Behörden deutlich leichter erkennbar macht. Experten empfehlen, Reise-Richtlinien zu aktualisieren, frühere Ankunftszeiten am Flughafen vorzuschreiben und nicht-EU-Mitarbeiter über biometrische Verfahren zu informieren, um verpasste Flüge und mögliche Visastrafen zu vermeiden.
Quelle: Euronews / EU Reporter / ITIJ