
In den frühen Morgenstunden des 30. Mai schlichen sich fünf kleine Boote der „Thousand Madleens Coalition“ in den kalabrischen Megahafen Gioia Tauro und zwangen zwei MSC-Containerschiffe – eines davon soll 16 Kisten ballistischen Stahls geladen haben – von ihren Liegeplätzen. Der Protest ist Teil der internationalen Kampagne „Block the Boat“, die angebliche Waffenlieferungen nach Israel über europäische Häfen stoppen will. Während Hafenbehörden betonten, dass der kommerzielle Betrieb bis zum Nachmittag wieder aufgenommen wurde, verzögerte die vorübergehende Blockade die Weiterleitung von Feeder-Diensten nach Mittel- und Norditalien und zwang die Reederei Evergreen, einen geplanten Hafenstopp in Taranto umzuleiten. Für Verlader ist der größere Schaden der Imageschaden: Forensische Nachverfolgungen durch NGOs haben bereits Importeure in Deutschland und Dänemark dazu veranlasst, Verträge mit israelischen Verteidigungslieferketten zu kündigen. Der Vorfall offenbart zudem Lücken im italienischen Exportkontrollverfahren für Dual-Use-Güter, geregelt durch das Gesetz 185/1990. Oppositionsparteien im Parlament fordern eine Untersuchung und argumentieren, dass unzureichende Risikoanalysen im Zoll sensible Frachttransporte ohne vorherige öffentliche Bekanntgabe ermöglichen. Ein letzte Woche eingebrachtes Änderungsantrag sieht vor, dass Spediteure militärisch codierte HS-Waren 72 Stunden vor Ankunft in einem italienischen Hafen melden müssen. Unternehmen, die Waren über Gioia Tauro – Europas neuntgrößten Umschlagplatz – transportieren, sollten mit weiteren Aktivisten-Kajakflotten und möglichen Zollkontrollen bei Containern in Richtung Nahost rechnen. Rechtsteams sollten Endverwendungsnachweise prüfen und die Einhaltung der EU-Gemeinsamen Position 2008/944 zu Rüstungsexporten sicherstellen, um rechtliche Risiken und negative Medienberichterstattung zu minimieren.
Quelle: L’Indipendente
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