
Die Schweizer Flughäfen wurden am Samstag, den 4. Juli, erneut an ihre Grenzen gebracht, als das neue biometrische Ein- und Ausreisesystem der Europäischen Union (EES) auf die erste große Sommerreisewelle traf. Laut einem ausführlichen Bericht der deutschen Nachrichtenagentur dpa-AFX zogen sich die Passkontrollschlangen an mehreren europäischen Flughäfen, darunter Zürich (ZRH) und Genf (GVA), bis zu fünf Stunden hin. Das EES, das seit dem 10. April 2026 voll einsatzfähig ist, erfasst bei der ersten Grenzüberquerung jedes Nicht-Schengen-Reisenden das Gesichtsfoto, die Fingerabdrücke und die Passdaten. Während die digitalen Kontrollen den bekannten Stempel ersetzen und für mehr Sicherheit sorgen sollen, verlängert sich die Abfertigungszeit derzeit um zwei bis drei Minuten pro Passagier – bei Schwierigkeiten am Selbstbedienungskiosk sogar noch länger. Flughäfen, die die Anzahl der benötigten Kioske oder das Personal unterschätzt haben, sehen sich nun mit Staus konfrontiert, die sich bis in die Abflughalle und in Extremfällen sogar auf das Vorfeld ausweiten. Der Flughafen Zürich teilte lokalen Medien mit, dass zusätzliches Personal, Beschilderungen und „Gold-Track“-Manager eingesetzt werden, um zu verhindern, dass Schweizer und EU-Bürger versehentlich in die EES-Schlangen geraten. Dennoch raten Fluggesellschaften Passagieren auf Langstreckenflügen, mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, und buchen enge Anschlussflüge proaktiv um. Grenzbeamte greifen inzwischen auf eine Notfallregelung zurück, die eine vorübergehende Aussetzung des EES erlaubt, wenn die Passagierströme die Kapazitäten übersteigen – diese Maßnahme darf jedoch nur für maximal sechs Stunden am Stück angewendet werden. Die Branchenverbände Airlines for Europe, ACI Europe und IATA haben die Europäische Kommission offiziell um eine generelle Ausnahmeregelung für die Juli–August-Spitzenzeit gebeten. Schweizer Geschäftsreisemanager warnen, dass verpasste Anschlussflüge zunehmend zu entgangenen Meetings und Umbuchungen von Hotels führen. Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden aus Drittstaaten empfehlen, die Online-Check-in-Formalitäten vorab zu erledigen und Ausdrucke der Reiserouten mitzuführen, falls eine Umleitung über Nicht-Schengen-Drehkreuze erfolgt. Mittelfristig plant das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) Pilotprojekte mit mobilen Erfassungs-Apps – ähnlich dem neuen portugiesischen „EES Mobile“ –, die es Reisenden ermöglichen sollen, biometrische Daten bereits vor der Ankunft am Flughafen hochzuladen. Bis dieses System ausgereift ist, bereitet sich die Schweiz auf einen Sommer vor, in dem selbst die pünktlichsten Flughäfen der Welt mit der Passagierabfertigung kämpfen werden.
Quelle: dpa-AFX via Investing.com
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