
Schwere Gewitter zogen am späten 13. Juli über die Nordschweiz und trafen das Herz des Landesluftverkehrs: den Flughafen Zürich. Innerhalb weniger Stunden wurden rund 70 Abflüge und Ankünfte komplett gestrichen, weitere 30 Flüge auf Ausweichflughäfen in Deutschland, Österreich und Italien umgeleitet. Hunderte Reisende – viele davon Geschäftsreisende, die von Montagstreffen zurückkehrten oder sich für Termine am Dienstagmorgen positionierten – mussten in den Terminals übernachten, da Blitzschlag und Hagel den Betrieb auf dem Vorfeld unmöglich machten. Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können. Zürich arbeitet in der Hochsaison bereits nahe seiner Kapazitätsgrenze und bewältigt regelmäßig mehr als 110.000 Passagiere pro Tag. Da der Flughafen einer Nachtruhe ab 23:00 Uhr unterliegt, um Anwohner vor Lärmbelästigung zu schützen, liefen verspätete Flüge schnell aus der Betriebszeit, was die Störungen weiter verschärfte. Die Auswirkungen zogen sich bis zum 14. Juli hin, da Flugzeuge und Crews nicht am richtigen Ort waren und stark gebuchte Urlaubsflüge kaum Spielraum im System ließen. Besonders betroffen waren Swiss International Air Lines und Edelweiss, beide am Standort Zürich. Edelweiss bestätigte, dass mindestens eine Rotation auf den Langstreckenflügen nach Seattle und Denver gestrichen werden musste, während Kurzstreckenflüge zu Mittelmeerinseln verschoben oder zusammengelegt wurden. Auch Frachtunternehmen meldeten Verzögerungen, was einige Pharma-Versender zu kostspieligen Notfallplänen zwang. Nach EU-Verordnung 261 gelten Wetterbedingungen als „außergewöhnliche Umstände“, weshalb finanzielle Entschädigungen unwahrscheinlich sind. Die Airlines müssen jedoch weiterhin Verpflegung, Unterkunft sowie Umbuchungen oder Rückerstattungen anbieten. Reisenden mit engen Anschlussflügen wird geraten, in der kommenden Woche mindestens zwei Stunden Puffer einzuplanen und die Apps der Fluggesellschaften regelmäßig auf Gate-Änderungen zu prüfen. Firmenreisemanager, deren Mobilitätsprogramme Mitarbeiter über Zürich führen, haben bereits Push-Benachrichtigungen verschickt, um an die Aufbewahrung von Belegen zu erinnern und, wenn möglich, Frühflüge zu buchen, die weniger von Nachmittagsgewittern betroffen sind. Für den Flughafen Zürich ist dieses Ereignis eine weitere Warnung vor wetterbedingter Volatilität. Der Betreiber prüft derzeit die Blitzwarnprotokolle und erwägt, ob eine moderate Verlängerung der Nachtruhe-Ausnahmegenehmigung – die bereits für medizinische und militärische Flüge gilt – helfen könnte, Rückstaus bei extremen Wetterlagen abzubauen. Für den Moment sollten sich Reisende jedoch auf einige weitere Tage mit „rollierenden“ Verspätungen einstellen, bis sich die Abläufe wieder stabilisieren.
Quelle: AirHelp