
Australische Beratungsstellen für häusliche Gewalt kritisieren, dass Canberras Versprechen eines „Sicherheits-zuerst“-Migrationssystems durch die Anforderungen untergraben wird, die Opfer erfüllen müssen, bevor ihr Schutz überhaupt geprüft wird. Nach den Bestimmungen des Migration Act zu häuslicher Gewalt können Inhaber temporärer oder vorläufiger Visa, die häusliche oder familiäre Gewalt (DFV) erfahren, beantragen, dass ihr Antrag auf Daueraufenthalt unabhängig vom Partner geprüft wird. Wie ABC News am 20. Juli 2026 berichtete, müssen Antragsteller jedoch zunächst nachweisen, dass ihre Beziehung „echt und fortlaufend“ ist, indem sie gemeinsame Mietverträge, Kontoauszüge, Rechnungen oder andere gemeinsame Dokumente vorlegen. Anwälte weisen darauf hin, dass gerade diese Dokumente häufig von missbräuchlichen Partnern zurückgehalten werden, die finanzielle und soziale Kontrolle ausüben, sodass viele Opfer „schon an der ersten Hürde scheitern“. Kristie Mellor, leitende Rechtsberaterin des Immigration Advice and Rights Centre, erklärte gegenüber ABC, dass ihre Beratungsstelle wöchentlich 18 neue Anfragen zu DFV-bezogenen Visa erhält und im vergangenen Jahr aufgrund von Finanzierungsengpässen mehr als 250 Frauen abweisen musste. Legal Aid ACT weist darauf hin, dass ganze Gruppen temporärer Migranten – darunter Ehepartner internationaler Studierender – von den Bestimmungen komplett ausgeschlossen sind, was einige Frauen faktisch dazu zwingt, entweder beim Täter zu bleiben oder Australien zu verlassen. Innenminister Tony Burke erklärte, er habe die Visakategorien, die Anspruch auf Unterstützung haben, erweitert und Charakterprüfungen genutzt, um Visa von Tätern häuslicher Gewalt zu widerrufen. Befürworter härterer Maßnahmen gegen Täter begrüßen dies, bestehen jedoch darauf, dass die Beweislast für Opfer umgekehrt werden muss: Migrationsbehörden sollten zunächst die Hinweise auf häusliche Gewalt prüfen und erst danach die Echtheit der Beziehung bewerten. Für Arbeitgeber und Mobility-Manager ist der Fall eine Erinnerung daran, dass Fürsorgepflichten über den Arbeitsplatz hinausgehen. Mitarbeitende und Angehörige mit arbeitgebergesponserten oder Studentenvisa sind sich ihrer Rechte oft nicht bewusst oder durch Sponsoring-Regeln eingeschränkt. Vertrauliche Anlaufstellen und die Sicherstellung, dass gesponserte Mitarbeitende eigene Kopien wichtiger Dokumente besitzen, sind praktische Maßnahmen, die Unternehmen sofort umsetzen können, um Risiken zu minimieren.
Quelle: ABC News
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