
Der Flughafen Catania Fontanarossa „Vincenzo Bellini“ – Italiens viertgrößter Flughafen und wichtigster Knotenpunkt für Tourismus und Export in Ostsizilien – musste am 22. Juli den Betrieb komplett einstellen, nachdem der Ätna die Start- und Landebahn sowie den Luftraum mit einer dichten Aschewolke bedeckt hatte. Die Nationale Zivilluftfahrtbehörde (ENAC) verlängerte die Schließung im Tagesverlauf zweimal und hielt den Flughafen schließlich bis 18:00 Uhr geschlossen. Auch der Militärflugplatz Sigonella wurde gesperrt, was selbst Notfall- und Frachtflüge einschränkte. Über 120 kommerzielle Flüge wurden gestrichen oder auf Palermo, Trapani und Comiso umgeleitet, wodurch schätzungsweise 18.000 Reisende – darunter Hunderte Kreuzfahrtpassagiere und Geschäftsdelegationen für die Sommerveranstaltungen der Luftfahrtbranche in Catania – gestrandet waren. Fluggesellschaften rieten Passagieren dringend davon ab, zum Flughafen zu reisen, und warnten, dass Umbuchungen für das stark frequentierte Ferienwochenende „extrem begrenzt“ seien. Spediteure berichteten, dass hochwertige verderbliche Exporte – sizilianische Zitrusfrüchte, Fisch und Pharmazeutika – per Lkw nach Neapel und Bari transportiert werden mussten, um dort kurzfristig Anschlussflüge zu erreichen, was die Transitzeiten um 10 bis 12 Stunden verlängerte. Der Ausbruch ist der jüngste in einer Reihe von Ascheereignissen seit Ende Juni, jedoch die erste vollständige Tagesstilllegung. Nach EU-Verordnung 261 sind Fluggesellschaften zwar nicht zu Entschädigungen verpflichtet, müssen aber weiterhin Betreuung und Umbuchungen anbieten, was besonders Billigflieger, die den sizilianischen Markt dominieren, zusätzlich belastet. Reise-Risikoberater rieten Unternehmen, Notfallrouten im „italienischen Mezzogiorno-Korridor“ zu aktivieren und verwiesen auf das Brandereignis in Catania 2023 als Beispiel. Für Mobilitätsmanager ist der Vorfall ein Weckruf: Sizilien fehlt es an einer Start- und Landebahn mit Doppelverwendung, was die Region verwundbar macht. Unternehmen mit Expatriates oder Produktionsstandorten auf der Insel sollten ihre „Force-Majeure“-Klauseln in Logistikverträgen überprüfen und sicherstellen, dass Mitarbeiter in Reisetracking-Systeme eingeschrieben sind, die Umleitungen über Palermo oder Malta erfassen. Die Regionalregierung kündigte einen 45-Millionen-Euro-Resilienzplan an – zur Finanzierung von Schnellreinigungsgeräten und einer alternativen Rollbahn –, der nächsten Monat in Rom eingereicht werden soll. Eine Umsetzung vor der Tourismussaison 2027 gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Quelle: La Sicilia