
Der Fair Work Ombudsman (FWO) hat rechtliche Schritte gegen den regionalen Supermarktbetreiber Kinsfolk Retail Pty Ltd in New South Wales sowie gegen zwei Geschäftsführer eingeleitet. Es geht um die mutmaßliche Unterbezahlung eines nepalesischen Inhabers eines temporären Visums in Höhe von über 93.000 AUD. Gerichtsunterlagen besagen, dass der Mitarbeiter im Narrandera IGA zwischen August 2021 und Mai 2023 regelmäßig 51 bis 77 Stunden pro Woche arbeitete, jedoch effektiv nur einen Pauschalstundensatz von 15 AUD erhielt – deutlich unter dem General Retail Industry Award, der von 22,33 AUD für reguläre Stunden bis zu 58,45 AUD für Überstunden an Feiertagen reicht. Auch Urlaubsansprüche, Pausenregelungen und Wäschezulagen sollen ignoriert worden sein. FWO-Inspektoren berichten, dass das Unternehmen versucht habe, die Vereinbarung zu verschleiern, indem gefälschte Gehaltsabrechnungen ausgestellt wurden, die nur vier Stunden pro Woche zum korrekten Satz per Banküberweisung auswiesen, während der Rest bar ausgezahlt wurde. Kinsfolk Retail hat den Mitarbeiter inzwischen vollständig entschädigt, doch die Behörde fordert Strafen von bis zu 82.500 AUD pro Verstoß für das Unternehmen und 16.500 AUD für jeden Geschäftsführer. Die erste Anhörung ist für den 2. Oktober 2026 angesetzt. Der Fall verdeutlicht den verschärften Fokus der Regierung unter Premierminister Albanese auf den Schutz von Migrantenarbeitern. In den acht Finanzjahren bis Juni 2025 hat der FWO 171 Klagen gegen Visuminhaber eingereicht und Strafen in Höhe von 39 Millionen AUD erwirkt; 88 dieser Fälle werfen Unternehmensleitern vorsätzliche Beihilfe vor. Für Manager im Bereich globale Mobilität ist die Botschaft klar: Unterbezahlung und Verstöße bei der Dokumentation ausländischer Mitarbeiter führen zu konsequenter Durchsetzung und hohem Reputationsrisiko. Multinationale Unternehmen mit australischen Niederlassungen sollten ihre Lohnabrechnungssysteme prüfen, die Einhaltung der Awards für alle gesponserten und temporären Arbeitskräfte sicherstellen und überprüfen, ob Zeitarbeitsfirmen die Standards des Fair Work Act erfüllen. Praktischer Tipp: Visuminhaber, die sich Sorgen um ihre Ansprüche machen, können anonyme Meldungen in 16 Sprachen über das Migrantenportal des FWO einreichen, während Arbeitgeber den Pay Calculator und das Small Business Showcase der Behörde nutzen können, um Löhne und Verpflichtungen zu überprüfen.
Quelle: Fair Work Ombudsman