
Verkehrszahlen, die am 15. Mai 2026 vom Fachportal Aviation.Direct veröffentlicht wurden, zeigen, dass der Flughafen Wien im April im Jahresvergleich 8,2 % weniger Passagiere abfertigte – trotz deutlicher Zuwächse bei den Tochtergesellschaften in Malta (+12 %) und Košice (+66 %). Die Gesamtzahl verdeckt zwei strukturelle Herausforderungen: den nahezu vollständigen Rückzug von Wizz Air, die ihre Basis in Wien geschlossen hat, sowie eine drastische Kapazitätskürzung bei Ryanair. Beide Airlines machen die höheren Gebühren in Schwechat und eine ihrer Meinung nach unflexible Slot-Politik verantwortlich. Die Folgen sind deutlich: Der lokale Origin-and-Destination-Verkehr sank um 8,7 %, während der Transitverkehr – ein zentraler Pfeiler des Hub-Modells – um 7,2 % zurückging, da Verbindungen in den Nahen Osten aufgrund regionaler Sicherheitsbedenken zusammenbrachen. Austrian Airlines versucht, die Kapazitäten mit größeren Airbus 321neo-Modellen aufzufüllen, doch Analysten warnen, dass Wien ohne den preisstimulierenden Effekt der Billigflieger Gefahr läuft, Reisende an das nahegelegene Bratislava und Prag zu verlieren. Aus globaler Mobilitätsperspektive bedeuten weniger Direktverbindungen längere Tür-zu-Tür-Zeiten für Entsandte und höhere Umzugskosten für in Österreich ansässige Unternehmen. Personalabteilungen müssen möglicherweise zusätzliche Zwischenstopps für Reisen in sekundäre europäische Städte einplanen, die zuvor nonstop von Wizz Air bedient wurden (z. B. Skopje, Tirana, Podgorica). Einkaufsabteilungen, die Firmenkonditionen verhandeln, sollten mit höheren durchschnittlichen Ticketpreisen rechnen, da die Marktkonzentration zunimmt. Der Vorstand der Flughafen-Gruppe hält an seiner Jahresprognose fest und setzt darauf, dass starke Frachtumsätze und Wachstum im Ausland den Rückgang in Wien ausgleichen. Gleichzeitig fordern österreichische Wirtschaftsverbände eine Überprüfung der Gebührenordnung, um die Rückkehr der Billigflieger zu fördern, und warnen, dass eine geschwächte Anbindung ausländische Direktinvestitionen abschrecken könnte. Jede Tarifänderung bedarf der Zustimmung des Verkehrsministeriums, das derzeit die nationale Luftfahrtstrategie überarbeitet – ein weiteres Thema, das nächste Woche im Parlament diskutiert wird.
Quelle: Aviation.Direct