
Aeroporti di Roma (AdR), Betreiber der Flughäfen Fiumicino und Ciampino, hat Brüssel um Erlaubnis gebeten, Teile des neuen EU-Ein- und Ausreisesystems (EES) während der Sommer-Hauptreisezeit auszusetzen. Hintergrund sind Rekordwartezeiten, die zu verpassten Flügen und Frustration bei den Passagieren führten. Berichten zufolge dauerten die Wartezeiten bei der Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern für alle Drittstaatsangehörigen, die den Schengen-Raum betreten oder verlassen, teils über drei Stunden. AdR-Chef Marco Troncone erklärte gegenüber der Financial Times, dass die biometrische Erfassung mit dem prognostizierten Passagieraufkommen von 180.000 Personen pro Tag im Juli „unvereinbar“ sei. Er warnte vor einem „systemischen Versagen“, falls die Behörden nicht erlauben, die Fingerabdruckerfassung in Spitzenzeiten auszusetzen. Nach EU-Vorschriften können Mitgliedstaaten vorübergehende Ausnahmen beantragen, müssen jedoch weiterhin Passdaten erfassen und Einreisestempel manuell überprüfen. Die Engpässe sind besonders problematisch für Geschäftsreisende mit knappen Anschlusszeiten sowie für Unternehmen, die Mitarbeiter im Rahmen der 90/180-Tage-Schengen-Regel umziehen – jede Minute in der Warteschlange zählt als Aufenthalt auf italienischem Boden. Fluggesellschaften sehen sich mit betrieblichen Folgen konfrontiert: Verspätete Abflüge führen zu Verstößen gegen Dienstzeitregelungen der Crew, was Stornierungen oder Übernachtungen erzwingt. Firmenreisende sollten ihre Mitarbeiter anweisen, mindestens vier Stunden vor Langstreckenflügen am Flughafen zu sein und Arbeitserlaubnis-Schreiben griffbereit zu halten, falls Grenzbeamte zusätzliche Nachweise verlangen. Airlines wie ITA Airways testen spezielle „Fast Lanes“ für Premium-Passagiere, deren Kapazität jedoch begrenzt ist. Vielfliegerprogramme, die bisher die Nutzung automatischer e-Gates ermöglichten, sind bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Europäische Kommission betont, dass das EES die Sicherheit verbessert, indem es Überziehungen und Dokumentenfälschungen automatisch erkennt. Dennoch melden Flughäfen im gesamten EU-Raum – von Dublin bis Athen – ähnliche Staus. Sollte Rom zustimmen, könnte dies einen Präzedenzfall für andere Drehkreuze schaffen und die Balance zwischen Sicherheit und Passagierdurchsatz in Spitzenzeiten neu definieren.
Quelle: The Connexion