
Der Billigflieger-Riese Ryanair hat eine seltene, netzwerkweite Reisewarnung herausgegeben und Passagiere darauf hingewiesen, an ausgewählten Schengen-Flughäfen – darunter Prag – mit „erheblichen Warteschlangen“ zu rechnen, bedingt durch Kapazitätsengpässe im Zusammenhang mit dem neuen Ein- und Ausreisesystem (EES). In einer Erklärung vom 5. Juli nannte die Airline sieben Drehkreuze, an denen Ankünfte von Nicht-EU-Bürgern bereits in öffentliche Bereiche ausweichen; Branchenquellen ergänzen, dass Prag zwar nicht offiziell auf der Liste steht, aber ähnliche Risiken drohen, da das Urlaubsaufkommen steigt. Das EES ist seit April 2026 voll funktionsfähig und erfasst bei der ersten Einreise die Fingerabdrücke und Gesichtsaufnahmen der meisten Drittstaatsangehörigen, um diese bei Folgereisen zu überprüfen. Grenzpolizeigewerkschaften kritisieren, dass die im Winter installierten Kioske und manuellen Kontrollstellen für Nebensaison-Volumina ausgelegt sind, nicht aber für die prognostizierten zwei Millionen Passagiere pro Woche in Mitteleuropa Ende Juli. Am 5. Juli verzeichnete der Flughafen Prag allein 181 planmäßige Abflüge – ein Vorgeschmack auf die Spitzenbelastung. Ryanair wirft den EU-Regierungen und Flughafenbetreibern vor, sie hätten „Jahre Zeit gehabt“, Personal aufzustocken, würden aber erst jetzt hektisch zusätzliche Kontrollstellen öffnen und Beamte umverteilen. Die Europäische Kommission deutet an, dass Mitgliedstaaten die Fingerabdruck-Erfassung vorübergehend lockern könnten, wenn die Wartezeiten Sicherheitsgrenzen überschreiten, doch ein gemeinsames Vorgehen wurde bislang nicht vereinbart. Für Unternehmen mit Sitz in Tschechien hat die Warnung zwei unmittelbare Folgen: Erstens sollten Mitarbeiter, die aus Großbritannien, den USA oder anderen Nicht-EU-Märkten anreisen, längere Umsteigezeiten einplanen – besonders an freizeitorientierten Flughäfen wie Palma oder Alicante, die über Self-Connect-Verbindungen nach Prag führen. Zweitens sollten Firmen länderspezifische Anpassungen der Einreiseregeln genau beobachten; eine plötzliche Aussetzung der biometrischen Erfassung an einem Drehkreuz könnte unvorhersehbare Passagierströme an anderen Flughäfen verursachen und sorgfältig getaktete Bodentransportverbindungen stören. Langfristig könnte die Debatte Investitionen in Fast-Track-Lösungen wie Vorabkontrollen oder registrierte Reisenden-Spuren beschleunigen – Bereiche, in denen Tschechien sich als Innovationsstandort profilieren könnte. Bis dahin wird Reiseeinkäufern empfohlen, Pufferklauseln in Serviceverträge aufzunehmen und realistische Zeitpläne von Tür zu Schreibtisch an entsandte Mitarbeiter und Besuchsführungskräfte zu kommunizieren.
Quelle: The Traveler