
Nach den Zwillingsraketenangriffen auf die unter UAE-Flagge fahrenden Tanker Al Bahiyah und Mombasa am 13. Juli – bei denen ein indischer Matrose getötet und mindestens neun verletzt wurden – hat Schifffahrtsminister Sarbananda Sonowal am Dienstag in Neu-Delhi eine Notfallbesprechung einberufen. Ein vom Business Standard eingesehenes Ministeriumsdokument beschreibt umfassende Maßnahmen: Die Generaldirektion für Schifffahrt muss jedes Schiff mit indischer Besatzung überwachen, unabhängig von der Flagge; Schiffseigner sind verpflichtet, tägliche Bedrohungsberichte einzureichen; und für jede betroffene Seeleute-Familie werden spezielle Ansprechpartner benannt. Ein Live-Operations-Dashboard wird AIS-, LRIT- und Satellitendaten zusammenführen, um Schiffe in der Straße von Hormus, im Persischen Golf und im Golf von Oman genau zu lokalisieren. Das Informationsmanagement- und Analysezentrum der Indischen Marine in Gurugram wird geheime Risikokarten bereitstellen, während Krisenzellen des Außenministeriums in Teheran, Maskat und Dubai die medizinische Evakuierung und Rückführung koordinieren. Diese Anordnung erfolgt, während globale Versicherer die Prämien für Kriegsrisiken erhöhen und einige Charterer Frachtumleitungen um das Kap vornehmen, was die Fahrzeit zwischen Indien und Europa um bis zu 12 Tage verlängert. Energieanalysten warnen, dass eine weitere Eskalation die Frachtraten und Tankerpreise steigen lassen könnte – gerade jetzt, wo indische Raffinerien ihre Rohölimporte für die Festtagssaison erhöhen. Für Arbeitgeber indischer Seeleute – insbesondere in den Bereichen Öl und Gas, Kreuzfahrten und Offshore-Windenergie – bedeutet das neue Protokoll schnellere konsularische Unterstützung, aber auch eine strengere Kontrolle der Besatzungspläne. Agenturen müssen nun bestätigen, dass die Crew täglich Sicherheitsbriefings erhält und Reisen ablehnen kann, ohne Sanktionen befürchten zu müssen, wenn das Risiko die Unternehmensgrenzen überschreitet. Sonowal betonte erneut, dass „wirtschaftliche Interessen niemals die Sicherheit der Besatzung überwiegen dürfen“ und kündigte an, dass Indien das Thema beim nächsten IMO-Ratstreffen zur Sprache bringen wird. Zudem forderte er die Staaten des Golf-Kooperationsrats auf, Radardaten in Echtzeit zu teilen – eine langjährige indische Forderung, die bisher unbeantwortet bleibt.
Quelle: Business Standard