
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat die Betriebsgenehmigung für den Flughafen Lugano-Agno bis 2056 verlängert und damit jahrelange Unsicherheiten für die Wirtschaft im Tessin beendet. Die am 18. September bekannt gegebene Entscheidung ermöglicht geplante Modernisierungen der Navigationshilfen und der Startbahnbeleuchtung, um wetterbedingte Umleitungen bei der anspruchsvollen Alpenanflugroute zu reduzieren. Obwohl der Linienverkehr nach dem Rückzug von Swiss und Darwin Airlines Anfang der 2020er Jahre zusammengebrochen ist, halten Charterflüge und Privatjets aus den Finanz- und Konferenzsektoren den Flugplatz am Leben. Die langfristige Konzession gibt den kommunalen Eigentümern Zuversicht, neue Regionalfluggesellschaften anzuwerben – Gespräche mit Italiens Sky Alps und Frankreichs Twin Jet über mehrmals wöchentlich geplante Verbindungen nach Rom und Zürich ab Sommer 2027 sollen bereits laufen. Die Lizenz ist an Auflagen gebunden: strengere Lärmschutzmaßnahmen, ein Nachtflugverbot von 22:00 bis 06:00 Uhr sowie eine verpflichtende Berichterstattung über CO₂-Reduktionsmaßnahmen, darunter die Installation von Lagermöglichkeiten für nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) bis 2030. Umweltbedenken der Anwohner wurden berücksichtigt, doch der Kanton argumentiert, dass ein funktionierender Flughafen den Autoverkehr durch den Gotthard-Korridor verringert und 500 direkte und indirekte Arbeitsplätze sichert. Für Geschäftsreisende bietet die Verlängerung eine mittelfristige Alternative zum 80 Kilometer entfernten Flughafen Mailand-Malpensa. Reisebüros rechnen mit moderaten Zeitersparnissen für Führungskräfte, die zwischen den Vermögensverwaltungsfirmen in Lugano und dem Bankenzentrum Zürich pendeln. Aufgrund der temporären Luftraumbeschränkungen während des bevorstehenden OSZE-Gipfels werden die Vorteile der neuen Lizenz jedoch erst nach Dezember voll zum Tragen kommen.
Quelle: SWI swissinfo.ch