
Kaum 24 Stunden nachdem Spanien sein historisches Regularisierungsprogramm gestartet hat, bestätigte die Gewerkschaft Comisiones Obreras (CC OO), dass die Mitarbeiter der Einwanderungsbehörden im ganzen Land ab dem 21. April 2026 einen unbefristeten Streik beginnen werden. Die Beschäftigten werfen dem Ministerium für Inklusion „chronischen Personalmangel, veraltete IT-Systeme und unbezahlte Überstunden“ vor und sehen die durch die Amnestie entstehende neue Arbeitsbelastung als „den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“. In den Ausländerbehörden in Murcia, Andalusien und Katalonien sind die Online-Termine für Mai bereits ausgebucht. Gewerkschaftssprecher kritisieren, dass der Plan der Regierung, Dateneingaben an das staatliche Unternehmen Tragsa auszulagern, das Grundproblem nicht löst: Nur Beamte können positive Entscheidungen treffen, deren Zahl seit 2018 um 18 % gesunken ist. CC OO fordert 600 zusätzliche Festanstellungen, eine monatliche Gefahrenzulage von 250 Euro für Mitarbeiter im Kundenkontakt sowie eine schnelle Investition in Server zur Unterstützung der neuen digitalen Plattform. Die Verhandlungen mit dem Ministerium scheiterten am 15. April, als nur temporäre Verstärkungen angeboten wurden. Für Arbeitgeber und ausländische Bewohner könnte das Timing problematisch sein. Während Online-Anträge während des Streiks weiterhin eingereicht werden können, würden biometrische Erfassungen und persönliche Identitätsprüfungen ausfallen. Ein ähnlicher Streik im Jahr 2022 führte zu einem 40-tägigen Rückstau und zwang Tausende Saisonarbeitskräfte zur Verschiebung ihrer Ankunft. Mobilitätsberater raten Unternehmen, wo möglich vollständig digitale Prozesse zu nutzen, regionale Notfallpläne zu beobachten und längere Vorlaufzeiten bei der Einstellung neuer Mitarbeiter einzuplanen. Das Ministerium bereitet eine Verordnung vor, die Einwanderungsdienste als „unentbehrlich“ erklärt, was Mindestdienstleistungen ermöglichen würde. Rechtsexperten weisen jedoch darauf hin, dass selbst bei Mindestbesetzung der Engpass die Entscheidungsfindung und nicht der Empfang ist. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnte der Streik mit dem sommerlichen Anstieg der Schengen-Visumanträge zusammenfallen und die Auswirkungen auf Geschäftsreisen verstärken. Analysten warnen, dass der Konflikt eine strukturelle Spannung offenbart: Spanien liberalisiert gleichzeitig seine Einwanderungsregeln, um Talente anzuziehen und informelle Arbeitskräfte zu legalisieren, hat aber kaum in die administrative Kapazität investiert, um den Zustrom zu bewältigen. Ohne schnelle Einigung droht die Kluft zwischen politischen Zielen und operativer Realität weiter zu wachsen.
Quelle: Cadena SER / El País
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