
Zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen wurde am 23. April um 12 Uhr ein Großteil der Londoner U-Bahn stillgelegt, als RMT-gebundene Fahrer wegen geplanter Schichtänderungen, die eine freiwillige Vier-Tage-Woche ermöglichen sollen, in den Streik traten. Obwohl nur die Hälfte der U-Bahn-Fahrer der Gewerkschaft angehört, reichte ihr Ausstand aus, um den Betrieb auf allen Linien einzuschränken und die Frühzugfahrten am 24. April komplett auszusetzen. Die Auswirkungen des Streiks sind weit über die täglichen Pendler der Hauptstadt hinaus spürbar. Geschäftsreisende, die durch die City und Canary Wharf unterwegs sind, berichten von um 60 % gestiegenen Taxikosten und verdoppelten Fahrzeiten. Meetings wurden kurzfristig ins Internet verlegt, was eine neue Debatte über die Nachhaltigkeit von Präsenzveranstaltungen entfacht, wenn hybride Alternativen problemlos verfügbar sind. Auch die Flughäfen spüren die Folgen. Das Passagier-Informationsportal von Heathrow warnt vor „kaum oder gar keinem Piccadilly-Line-Service“ bis mindestens Freitagmittag und empfiehlt Reisenden, auf den Heathrow Express und die Elizabeth Line auszuweichen – beide verkehren inzwischen nahezu ausgelastet. Gatwick und London City melden eine erhöhte Nachfrage nach Flughafenshuttles, während Autovermietungen schnell Einwegmieten zu zentralen Hotels ausverkaufen. Obwohl der Streit in erster Linie ein innerstädtisches Arbeitskonflikt ist, birgt er wichtige Erkenntnisse für globale Mobilitätsteams: Selbst der Nahverkehr kann zum Engpass in internationalen Reiseplänen werden. Reiseverantwortliche, deren Mitarbeiter diese Woche nach London fliegen, sollten mehr Umsteigezeit einplanen, Fahrdienste im Voraus buchen und Hotels in fußläufiger Entfernung zu Kundenterminen in Betracht ziehen. Langfristig könnten Unternehmen die Kosten für Notfallpläne gegen die Vorteile abwägen, regionale Hauptsitze in einer einzigen, streikanfälligen Metropole zu konzentrieren. Die Verhandlungen zwischen Transport for London und der RMT sind weiterhin festgefahren. Bleibt keine Einigung, sind für Mai weitere 24-Stunden-Streiks geplant, die mit einem Feiertagswochenende zusammenfallen und die Verkehrsbelastung auf den Zufahrtsstraßen zu Eurostar, Fähr- und Flughafenterminals weiter verschärfen könnten.
Quelle: The Guardian