
Da das franco-britische Rückführungsabkommen „One in, one out“ im Oktober ausläuft, hat die Europäische Kommission am Dienstag einen Aktionsplan vorgestellt, der die Überquerung des Ärmelkanals als gesamt-europäische Herausforderung und nicht nur als bilaterales Problem betrachtet. Frankreich, Belgien, Deutschland und die Niederlande begrüßten den Schritt umgehend und bezeichneten ihn als „ersten Schritt zu einer gemeinsamen Strategie“. Für London kommt der Zeitpunkt ungelegen. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden bisher etwas mehr als 1.100 Migranten nach Frankreich zurückgeführt – das sind kaum 3 % der Ankünfte – dennoch hatte das Vereinigte Königreich für die französische Grenzsicherung von 2026 bis 2029 ein Budget von 750 Millionen Euro eingeplant. Sollte das Abkommen auslaufen, müssen britische Minister neue Mechanismen entwickeln, um Bootsüberfahrten zu verhindern und Geschäftsreisende zu beruhigen, dass der Frachtverkehr zwischen Dover und Calais reibungslos bleibt. Der Plan der Kommission setzt auf Diplomatie mit Transitländern, gemeinsame Anti-Schmuggel-Operationen und den möglichen Einsatz zusätzlicher Frontex-Einheiten an der Nordküste Frankreichs. Konkrete Details fehlen noch, und südliche EU-Staaten bleiben gegenüber formellen Wiedereinreise-Klauseln skeptisch, sodass ein umfassendes Migrationsabkommen zwischen UK und EU weiterhin in weiter Ferne liegt. Logistikunternehmen und Mobility-Manager, die Personal oder Waren durch die Kurzstrecke transportieren, sollten die Verhandlungen im Vorfeld des UK-EU-Gipfels am 22. Juli in Brüssel genau verfolgen. Ein Scheitern der Verlängerung oder eines Ersatzabkommens könnte dazu führen, dass französische Polizeikräfte ins Landesinnere verlegt werden, was mehr Abfahrten von Stränden zur Folge hätte und die Gefahr von störenden, kurzfristigen Hafen-Schließungen im Vereinigten Königreich erhöht. In der Zwischenzeit wird den Transportunternehmen empfohlen, Notfallpläne – etwa Umleitungen über Dünkirchen oder den Hoek van Holland – aktuell zu halten und international reisende Mitarbeiter auf mögliche Verzögerungen während der Hauptreisezeit im Sommer vorzubereiten.
Quelle: Le Monde
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