
Urlauber, die am 29. Juni nach Italien reisen wollten, wurden von Warnungen vor kilometerlangen Staus auf der Brennerautobahn (A 13/A 22) überrascht. Echtzeitdaten von Reisereporter zeigten Stop-and-go-Verkehr von Innsbruck-Süd bis zum Grenztunnel, mit Spitzenverzögerungen von über zwei Stunden. Mehrere Faktoren trafen zusammen. Zum einen wird die Lueg-Brücke, ein Viadukt aus den 1970er Jahren, das laut Ingenieuren bis auf den Betonkern saniert werden muss, im gesamten Jahr 2026 immer wieder auf eine Fahrspur verengt. Zwar gibt es im Sommer meist zwei Spuren, doch am Montag war das nicht der Fall, was Wohnwagen und Lkw in einen engen Korridor zwang. Zum anderen bestehen die österreichischen Grenzkontrollen zu Italien weiterhin gemäß Artikel 25 des Schengener Grenzkodex. Nach den jüngsten Migrationsdebatten wurden die Kontrollen verschärft, sodass Lkw zur Dokumentenprüfung anhalten müssen, was die Staus zusätzlich verschärft. Die Tiroler Landesregierung verteidigte die Kontrollen als „verhältnismäßig“, während italienische Speditionsverbände Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht haben. Für Unternehmen hat das erhebliche Folgen: Just-in-time-Lieferungen von Autoteilen aus Norditalien zu österreichischen Werken verzögern sich, da Fahrer gesetzliche Arbeitszeitgrenzen überschreiten und Strafzuschläge drohen. Logistikexperten empfehlen daher Umleitungen über den Tauernkorridor (A 10) oder Abfahrten frühmorgens vor 6 Uhr, wenn der Verkehr noch geringer ist. Eine dauerhafte Entlastung ist erst in weiter Ferne: Der Brenner-Basistunnel, der den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern soll, wird nach Kostenüberschreitungen nun erst für 2032 erwartet. Bis dahin rechnen Verkehrswissenschaftler damit, dass Engpässe am Brenner in jeder saisonalen Verkehrsprognose auftauchen – ein deutliches Zeichen dafür, dass sowohl die Infrastruktur als auch regulatorische Hürden Europas Ideal der freien Mobilität auch ohne formelle Grenzschließungen infrage stellen können.
Quelle: Reisereporter