
Österreichs heißester Juni seit Beginn der Aufzeichnungen ist längst nicht mehr nur eine Klimastatistik – er stellt alle Verkehrsträger vor erhebliche Herausforderungen. Am 28. Juni kletterte das Thermometer im Wiener Stadtzentrum auf rekordverdächtige 40 °C, und bereits am Montag, dem 29. Juni, zeigten sich die Folgen landesweit, berichtet The Local. Die ÖBB, der staatliche Bahnoperator, verhängte Notgeschwindigkeitsbegrenzungen, nachdem sich die Gleise bei Hadersdorf am Kamp und im Tiroler Bezirk Landeck durch thermische Ausdehnung verformten. Mehrere Fernverkehrszüge wurden umgeleitet oder verlangsamten ihre Fahrt, was die Reisezeit zwischen Wien und Innsbruck um bis zu 70 Minuten verlängerte. Wartungsteams arbeiten nun rund um die Uhr; Experten warnen jedoch, dass sich geschweißte Schienen bei Temperaturen über 38 °C erneut verformen können. Auch die Straßen blieben nicht verschont. Die ASFINAG, Österreichs Autobahnbetreiber, bestätigte Betonschäden auf der A1 Westautobahn, die zu Fahrbahnverengungen und Staus von bis zu zehn Kilometern führten. Auf Nebenstrecken wurde der Asphalt weich und bildete Spurrillen, die besonders für Motorradfahrer gefährlich sind. Autofahrer erhielten über die ÖAMTC-Verkehrs-App Warnungen mit der Empfehlung, langsamer zu fahren und größere Abstände einzuhalten. Neben der Infrastruktur leidet auch die Leistungsfähigkeit der Menschen unter der Hitze. Spediteure berichteten der Wirtschaftskammer Österreich, dass Lkw-Fahrpläne umgestellt werden, um das Beladen in der Mittagshitze zu vermeiden. Der Flughafen Wien verteilte an Bodenpersonal kostenlos Wasserflaschen, nachdem mehrere Fälle von Hitzekollaps auftraten. Arbeitgeber mit entsandten Mitarbeitern werden daran erinnert, dass das österreichische Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, schattige Pausenbereiche bereitzustellen und Schichtpläne bei extremer Hitze anzupassen. Meteorologen erwarten gegen Ende der Woche eine Abkühlung, doch Klimaforscher weisen darauf hin, dass solche Temperaturspitzen, die früher als Jahrhundertereignisse galten, mittlerweile alle paar Jahre auftreten. Verkehrsplaner beschleunigen daher die Überprüfung der Schotterspezifikationen für Gleise und experimentieren mit hellerem Asphalt, der Hitze reflektiert statt absorbiert. Ob die Finanzierung mit den physikalischen Herausforderungen Schritt hält, bleibt abzuwarten.
Quelle: The Local Austria