
Einen Monat nach der Veröffentlichung formeller Stellungnahmen zur Rechtmäßigkeit verlängerter interner Grenzkontrollen hat die Europäische Kommission Österreich und acht weitere Schengen-Staaten wegen der Beibehaltung von Kontrollstellen kritisiert, die ursprünglich als Notfallmaßnahme eingeführt wurden. Obwohl Österreichs Kontrollen an den Grenzen zu Ungarn und Slowenien seit 2015 mehrfach verlängert wurden, argumentiert Brüssel nun, dass neue Instrumente des EU-Asyl- und Migrationspakts sowie das biometrische Ein- und Ausreisesystem der EU weniger eingreifende Alternativen bieten. In der am 2. Juni 2026 veröffentlichten, aber erst mit dem nächsten Verlängerungszyklus am 11. Juli wirksamen Bewertung fordert die Kommission Wien auf, einen „Fahrplan mit messbaren Meilensteinen“ für den schrittweisen Abbau der festen Kontrollen vorzulegen. Das Dokument weist darauf hin, dass die Zahl der irregulären Grenzübertritte entlang der Westbalkan-Route in den ersten vier Monaten 2026 um 40 Prozent zurückging, was Österreichs Begründung der „anhaltenden Migrationsdrucks“ schwächt. Für Unternehmen hat die Empfehlung mehr als nur symbolischen Charakter: Speditionsverbände schätzen, dass die durchschnittliche Verzögerung von 15 Minuten an der A2-Grenze Spielfeld dem Exportsektor vierteljährlich Produktivitätsverluste von 3,4 Millionen Euro verursacht. Die Pendlerströme zwischen Graz und Maribor umfassen rund 9.000 Grenzgänger – viele davon bei Automobilzulieferern beschäftigt, die auf Just-in-Time-Lieferungen angewiesen sind. Das österreichische Innenministerium erklärte, man werde die Stellungnahme „gründlich analysieren“, betonte jedoch, dass die Sicherheitslage entlang des Balkan-Korridors weiterhin volatil sei. Sollte Wien den Forderungen nachkommen, könnten die Kontrollen schrittweise auf mobile Polizeipatrouillen abseits der Grenzlinie umgestellt werden, ergänzt durch Kennzeichenerkennung und Datenaustausch über das neue Europäische Grenzüberwachungssystem von Frontex. Mobilitätsmanager in Unternehmen wird geraten, Verlängerungsankündigungen genau zu verfolgen. Selbst wenn Österreich die festen Kontrollen aufgibt, können stichprobenartige Ausweiskontrollen bis zu 30 Kilometer ins Landesinnere erfolgen, weshalb Mitarbeiter weiterhin Reisepässe oder EU-Ausweise mitführen sollten. Logistikunternehmen sollten zudem Pilotprojekte für „Grüne Fahrspuren“ beobachten, die vorab freigegebene Fracht an Warteschlangen vorbeiführen – eine von Brüssel als Bedingung für den Abbau der Kontrollen ins Spiel gebrachte Maßnahme.
Quelle: Tagesschau