
Die Passagiere des Eurotunnels atmeten am 4. April kollektiv auf, als die französischen Behörden bestätigten, dass die letzte biometrische Phase des EU-Einreise-/Ausreisesystems (EES) an den UK-Frankreich-Grenzkontrollen in Folkestone, Dover und London St-Pancras nicht rechtzeitig zum EU-Stichtag am 10. April aktiviert wird. Laut Hafen- und Bahnbetreibern hat Frankreich die benötigten Tablets und Fingerabdruckscanner zur Erfassung von Gesichtsaufnahmen und Vier-Finger-Abdrücken an der Grenze noch nicht geliefert. Solange die Ausrüstung nicht installiert und auf Belastbarkeit getestet ist, werden Grenzbeamte weiterhin Reisepässe mit nassen Stempeln versehen und manuelle EES-Dateien anlegen. Diese Atempause verhindert den befürchteten Zusammenbruch am Osterwochenende, vor dem Fluggesellschaften und Häfen gewarnt hatten: Ungetestete Kioske hätten die Wartezeiten für Nicht-EU-Reisende um zwei bis vier Stunden verlängern können. Getlink, Eigentümer des Eurotunnels, hat bereits 60 Millionen Pfund in biometrische Kioske investiert, Eurostar weitere 10 Millionen, doch beide Systeme bleiben bis zur französischen Zertifizierung außer Betrieb. Die Betreiber betonen, sie seien bereit, „sofort einzuschalten, sobald die Police aux Frontières grünes Licht geben“. Hinter den Kulissen kämpft Paris mit einem engen Zeitplan für die Einführung. Nach der Verschiebung des EES bis nach den Olympischen Spielen 2024 muss Frankreich nun innerhalb von nur sechs Monaten 120 Grenzstellen ausstatten. Die Luftfahrtverbände A4E und ACI Europe warnen, die Technologie sei „noch nicht stabil“ und fordern die Kommission auf, eine gestaffelte Einführung bis in die Sommer-Hauptreisezeit zu erlauben. Für Manager der Unternehmensmobilität bedeutet die Nachricht zwar eine Fristverlängerung, aber keine Sicherheit. Geschäftsreisende und Entsandte aus Großbritannien müssen weiterhin die 90/180-Tage-Schengen-Regelung beachten, können den zusätzlichen biometrischen Schritt – zumindest bei Bahn- und Autoreisen – jedoch auf später in diesem Jahr verschieben. Personalabteilungen sollten jedoch Mitarbeiter, die über die Flughäfen Paris-CDG, Nizza oder Lyon reisen, darauf hinweisen, dass die vollständige EES-Erfassung an vielen französischen Terminals bereits gilt und sie während der Spitzenzeiten frühzeitig anreisen sollten. Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die Verzögerung des EES auch den Start des damit verbundenen ETIAS-Reisegenehmigungssystems auf Ende 2026 verschiebt. Multinationale Unternehmen sollten mit neuen Compliance-Tools rechnen – etwa Datenfeeds von Travel-Management-Firmen, mobile Erfassungs-Apps und Projekte zur Integration von Kiosksystemen –, sobald Frankreich endlich den Schalter umlegt.
Quelle: The Guardian
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