
Pläne für den Feiertagsausflug am Samstag, den 23. Mai, gerieten durcheinander, als die französische Polizei an den Grenzen (PAF) die Nutzung des neuen EU-Ein- und Ausreisesystems (EES) im Hafen von Dover stoppte. Seit einem Monat müssen alle Nicht-EU-Reisenden, darunter auch britische Staatsbürger, vor der Abreise aus Großbritannien nach Frankreich eine biometrische Registrierung – Fingerabdrücke und ein Gesichtsfoto – absolvieren. Am bisher heißesten Tag des Jahres führte die zusätzliche Kontrolle an den ohnehin schon stark frequentierten Kontrollstellen zu einem Kollaps. Die Autokolonnen zogen sich über mehrere Kilometer, und einige Fahrer berichteten der BBC, sie hätten sechs Stunden für eine eigentlich 90-minütige Überfahrt gewartet. Doug Bannister, Geschäftsführer des Hafens von Dover, erklärte, der erste echte Test des EES sei „einfach nicht schnell genug“ gewesen, trotz monatelanger gemeinsamer Planung mit britischen und französischen Behörden. Kurz nach dem Mittag stellten die französischen Beamten die biometrische Erfassung ein und kehrten zur herkömmlichen Passkontrolle mit Stempel zurück. Der Verkehrsfluss verbesserte sich daraufhin fast sofort, doch der Vorfall hat die Warnungen der Branche erneuert, dass das EES – das noch in diesem Jahr an allen festen Verbindungen verpflichtend wird – weiterhin keine belastbaren Notfallpläne für Spitzenzeiten vorweist. Allein am Samstag beförderten die Fährbetreiber mehr als 8.000 Autos; Eurotunnel und Eurostar werden im Sommer beim Übergang vom Pilotbetrieb zur vollständigen Nutzung des EES mit denselben Engpässen konfrontiert sein. Geschäftsreisende betonten, dass die Unterbrechung das operative Risiko des EES für Just-in-Time-Lieferketten und kurzfristige Kundenbesuche zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa verdeutlicht. Viele Unternehmen haben noch keine längeren Tür-zu-Tür-Reisezeiten eingeplant oder ihre Mitarbeiter über die einmalige Registrierungspflicht informiert. Während die Entscheidung am Samstag freiwillig war, erlauben EU-Vorschriften den Grenzbeamten, das EES bei „außergewöhnlichen Umständen“, die Sicherheit oder öffentliche Ordnung gefährden, auszusetzen. Die Hafenleitung fordert ein formelles Protokoll, um bei künftigen Spitzenzeiten wie der späten Mai-Halbjahresferienzeit und dem Juli-Reiseansturm schnell eine Pause einlegen zu können. Reisende werden derzeit dringend gebeten, bei Fahrten Dover–Calais mindestens zwei zusätzliche Stunden einzuplanen und ihre Pässe für eine manuelle Stempelung bereitzuhalten, falls die Technik erneut abgeschaltet wird.
Quelle: Associated Press