
Auf dem Luftfahrtsgipfel in Prag am 24. Juni forderte Stefan Schulte, Präsident von ACI Europe, die Regierungen auf, „nicht länger so zu tun“, als funktioniere das neue Ein- und Ausreisesystem (EES) der Europäischen Union reibungslos. Das digitale Grenzsystem, das Anfang dieses Jahres vollständig eingeführt wurde, erfasst Fingerabdrücke und Gesichtsscans aller Nicht-EU-Besucher und soll die manuelle Passkontrolle ersetzen. Schulte, der auch Leiter des Frankfurter Flughafens ist, berichtete, dass an einigen Drehkreuzen die Warteschlangen in Spitzenzeiten bereits mehrere Stunden betragen und warnte vor einem „vollständigen Zusammenbruch“, falls technische und personelle Probleme nicht vor dem Anstieg der Passagierzahlen Ende Sommer behoben werden. Die Europäische Kommission erlaubt den nationalen Grenzbehörden derzeit, das EES in Ausnahmefällen bis September auszusetzen, doch Betreiber haben keine eigenständige Befugnis dazu. Die Warnung ist besonders relevant für kanadische Fluggesellschaften und Reiseveranstalter. Eine Umfrage des World Travel & Tourism Council (WTTC) unter 2.500 Reisenden, darunter auch Kanadier, ergab, dass ein Drittel ihre Europareisen überdenken würde, wenn die regulären Grenzwartezeiten drei Stunden überschreiten. WTTC-Prognosen gehen von bis zu 41 Millionen verlorenen Ankünften und 45 Milliarden US-Dollar entgangener Ausgaben im Schengen-Raum aus, sollten die Verzögerungen bis 2027 anhalten. Fluggesellschaften wie Air Canada und WestJet haben bereits die Mindestumsteigezeiten an wichtigen europäischen Drehkreuzen verlängert, um die neuen biometrischen Kontrollen zu berücksichtigen. Reiseverantwortliche, die mehrteilige Reiserouten für Führungskräfte buchen, sollten prüfen, ob die Umsteigezeiten innerhalb des Schengen-Raums den aktualisierten Vorgaben entsprechen; verpasste Anschlussflüge könnten zusätzliche EU-261 Entschädigungsansprüche auslösen. Bis sich die Abläufe stabilisieren, empfehlen Experten kanadischen Reisenden, kleinere Sekundärflughäfen anzufliegen, an denen das EES weniger problematisch ist, oder Direktflüge ins Vereinigte Königreich zu wählen – das noch außerhalb des Schengen-Raums liegt – und von dort per Bahn oder Flugzeug zu Zielen auf dem Kontinent weiterzureisen.
Quelle: Pax News
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