
Die Frustration über das europäische Ein- und Ausreisesystem (EES) erreichte am 29. Juni einen neuen Höhepunkt, als das französische Medium The Connexion eine Welle von Leserbeschwerden über geschlossene PARAFE-E-Gates am Flughafen Nizza-Côte d’Azur veröffentlichte. Seit der vollständigen Inbetriebnahme des EES am 10. April müssen an Flughäfen bei der ersten Einreise von Nicht-EU-Reisenden Fingerabdrücke und ein Gesichtsfoto erfasst werden – ein Prozess, der eigentlich für automatisierte Kioske vorgesehen ist, aber oft manuell durchgeführt wird, da es an Ausrüstung oder Personal mangelt. Passagiere, die am vergangenen Wochenende aus London ankamen, berichteten von Wartezeiten von über einer Stunde, obwohl zahlreiche E-Gates ungenutzt blieben. Fluggesellschaften wie Wizz Air empfehlen, drei Stunden vor Abflug anzureisen, doch Kritiker weisen darauf hin, dass viele Airlines den Check-in erst zwei Stunden vor Abflug öffnen, was den Rat praktisch hinfällig macht. Branchenverbände wie IATA und Airlines for Europe warnen, dass die Wartezeiten in der Hochsaison bis zu sechs Stunden betragen könnten, wenn die Flughäfen die biometrische Erfassung nicht beschleunigen. Für Frankreich ist das Risiko für den Ruf besonders hoch: Das Land erwartet während der Ferienzeit im Juli und August sowie bei den Olympischen Sommerspielen 2026 in Paris ein beispielloses Passagieraufkommen. Neben den Unannehmlichkeiten für Geschäftsreisende drohen lange Einwanderungsschlangen auch die Transitzeitgarantien vieler Firmenreiseversicherungen zu gefährden. Die Gewerkschaften der Grenzpolizei machen Softwareprobleme in der zentralen Datenbank von EU-LISA und die langsame Lieferung mobiler Erfassungsgeräte verantwortlich. Das Innenministerium versichert, dass bis September an allen 25 ausgewiesenen französischen Luft-, See- und Bahnhöfen ausreichend Kioske zur Verfügung stehen werden, doch Branchenbeobachter bezweifeln diesen Zeitplan. Bis dahin sollten globale Mobilitätsteams Reisende darauf vorbereiten, insbesondere an Regionalflughäfen wie Nizza, Marseille und Toulouse mit manueller Abfertigung zu rechnen.
Quelle: The Connexion