
Europäische Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber schlagen Alarm wegen des neuen Ein- und Ausreisesystems (EES) der EU und warnen, dass das biometrische Passkontrollsystem bereits den Spitzenbetrieb im Sommer stark beeinträchtigt. In einem offenen Brief vom 6. Juli fordern unter anderem Ryanair und der Branchenverband ACI Europe die Europäische Kommission auf, eine vorübergehende Aussetzung des EES zu erlauben, wenn die Warteschlangen die Verarbeitungskapazität übersteigen. Die Forderung folgt auf Berichte über Wartezeiten von bis zu zwei Stunden am Flughafen Berlin Brandenburg und bis zu fünf Stunden an mehreren Mittelmeer-Urlaubsdrehkreuzen. Die Rzeczpospolita bestätigt, dass Kraków-Balice, Polens zweitgrößter Flughafen, ebenfalls unter „terminalüberfüllten“ Warteschlangen für Drittstaatsangehörige leidet, wobei einige Passagiere trotz dreistündiger Vorlaufzeit Flüge verpassen. Das im April eingeführte EES ersetzt das Stempeln von Pässen durch die Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsaufnahmen bei Nicht-EU-Reisenden. Während das System langfristig Sicherheitsvorteile und Automatisierung verspricht, kritisieren Fluggesellschaften, dass Kioske, Personal und Beschilderung noch unzureichend sind. Sie befürchten Imageschäden, gerade jetzt, wo Europa im Juli und August mit 40 Millionen zusätzlichen Freizeitreisenden rechnet. Auch polnische Geschäftsreisemanager spüren die Auswirkungen: Führungskräfte, die in Palma de Mallorca oder Mailand Bergamo umsteigen, berichten von verpassten Anschlussflügen mit LOT und Ryanair nach Warschau. Mobilitätsteams planen daher vierstündige Umsteigezeiten ein und raten VIPs, wo möglich, die Fast-Track-Spur zu nutzen. Die Kommission erklärt, sie sei „bereit, zusätzliche Unterstützung zu leisten“, hat aber noch nicht bestätigt, ob Ausnahmeregelungen gewährt werden. Sollte Brüssel nicht nachgeben, müssen Unternehmen mit längeren Tür-zu-Tür-Reisezeiten, höheren Duty-of-Care-Kosten und möglichen Verzögerungen bei zeitkritischen Auslandseinsätzen rechnen. Zudem könnten zusätzliche Kosten für Umbuchungen und Unterkünfte anfallen, wenn verpasste Anschlussflüge den Sommerfahrplan durcheinanderbringen.
Quelle: Rzeczpospolita
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