
Transportunternehmen in Bosnien-Herzegowina haben ihre Pläne, am 14. September wichtige Grenzübergänge zur Europäischen Union zu blockieren, nach nächtlichen Gesprächen mit kroatischen, österreichischen und EU-Vertretern vorerst zurückgezogen. Dabei wurden „erste Fortschritte“ bei den Visaproblemen der Fahrer erzielt. Der Protest richtete sich gegen die strikte Anwendung der Schengen-Regel, die Drittstaaten-Fahrern nur 90 Tage Aufenthalt innerhalb von 180 Tagen erlaubt. Diese Regelung drohte die Lieferketten zwischen den Balkanherstellern und Österreich sowie Deutschland zu stören. Nach den aktuellen Bestimmungen dürfen Lkw-Fahrer aus Nicht-EU-Ländern maximal 90 Tage innerhalb eines halben Jahres im Schengen-Raum verbringen, was Unternehmen zwingt, Personal zu rotieren oder hohe Strafen zu riskieren. Bosnische Transportunternehmen kritisieren, dass diese Regelung Mehrfachstopps bei Lieferverträgen unmöglich macht, und fordern beschleunigte Langzeitvisa (D-Typ) oder branchenspezifische Ausnahmen. Die österreichische Wirtschaftskammer (WKÖ) warnte, dass eine einwöchige Blockade bosnische Firmen über 40 Millionen Konvertible Mark kosten und zu Engpässen bei österreichischen Automobilzulieferern führen könnte. Kroatien kündigte an, Verfahren zur vereinfachten Ausstellung von mehrfach einreisenden nationalen Visa für ganzjährige Kabotagefahrten zu prüfen, während die Europäische Kommission zusagte, zu prüfen, ob Berufskraftfahrer in die geplanten Änderungen des EU-Visakodex aufgenommen werden können. Obwohl die unmittelbare Gefahr von Grenzschließungen vorerst gebannt ist, setzen die Gewerkschaften eine Frist von 30 Tagen für konkrete Maßnahmen und kündigten an, die Proteste bei ausbleibendem Fortschritt wieder aufzunehmen. Österreichische Logistikunternehmen mit Subunternehmern aus dem Westbalkan sollten die Schengen-Aufenthaltszeiten ihrer Fahrer genau überwachen und Mischbesetzungen prüfen, um unter der 90-Tage-Grenze zu bleiben. Personalabteilungen sollten zudem mögliche Pilotprojekte in Kroatien beobachten, die als Modell für Langzeitfahrer-Visa in der Region dienen könnten. Der Vorfall zeigt, wie Mobilitätsregeln, die ursprünglich für Touristen gedacht waren, heute kritische Lieferketten einschränken – und wie schnell Arbeitskämpfe auf benachbarte EU-Wirtschaften durchschlagen können.
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