
Die lang erwartete zweite Brücke zwischen Brasilien und Paraguay – offiziell Ponte da Integração genannt – wurde am 14. September 2026 stillschweigend in ihre nächste Betriebsphase überführt. Täglich von 7:00 bis 13:00 Uhr dürfen nun private Pkw, die auf Einwohner von Foz do Iguaçu (Brasilien), Ciudad del Este, Presidente Franco und Hernandarias (Paraguay) zugelassen sind, die Brücke passieren, vorausgesetzt, alle Insassen besitzen das Documento de Trânsito Vicinal Fronteiriço (DTVF). Der DTVF ist ein spezieller Pass, der nach Mercosur-Regeln eingeführt wurde, um den täglichen Pendelverkehr in den Grenzstädten zu erleichtern. Die paraguayische Migrationsbehörde verlangt für die Ausstellung 234.154 Guaraní – etwa 31 US-Dollar –, während die brasilianische Seite rund 12 US-Dollar berechnet. Diese Preisunterschiede haben bereits in Asunción für Unmut gesorgt. Erste Statistiken zeigen, dass Paraguayer eilig den brasilianischen Pass beantragen, während am Eröffnungstag in Ciudad del Este keine brasilianischen Anträge eingingen. Die Brücke bleibt für Einkaufstouren gesperrt: Zollbeamte erlauben nur „Existenzgüter“, und Lastwagen mit Fracht müssen weiterhin über die ältere Freundschaftsbrücke zurückfahren. Leere Sattelzüge hingegen dürfen nun zwischen 18:00 und 5:00 Uhr die Integrationsbrücke nutzen – ein Schritt, der laut Logistikunternehmen pro Runde 20 Minuten einsparen und den Innenstadtverkehr entlasten könnte. Für lokale Arbeitgeber – insbesondere die Maquila-Fabriken auf der paraguayischen Seite und die Tourismusbranche in Foz – ist die begrenzte Öffnung sowohl Erleichterung als auch Herausforderung. Mitarbeiter, die auf der anderen Seite des Paraná-Flusses wohnen, können nun mit dem Auto pendeln, müssen jedoch für jedes Familienmitglied im Fahrzeug einen DTVF beantragen, was zusätzlichen Aufwand und Kosten bedeutet. Grenzüberschreitende Personalabteilungen raten den Beschäftigten, frühzeitig zu beantragen, da die Bearbeitung bis zu 72 Werktage dauern kann und apostillierte Führungszeugnisse erforderlich sind. Langfristig erwarten die regionalen Planer, dass die Integrationsbrücke nach Freigabe der vollen Öffnungszeiten 40 % des Pkw-Verkehrs im Korridor übernehmen wird. Bis dahin müssen multinationale Unternehmen in der Dreiländerregion mit zwei Passsystemen, zwei Brücken und drei verschiedenen Zollregimen jonglieren.
Quelle: Foz é Assim