
Nach jahrelangem Bau und monatelangen stufenweisen Tests wurde die neue Ponte Internacional da Integração – die Foz do Iguaçu (Brasilien) mit Presidente Franco (Paraguay) verbindet – am Montag, den 14. September, endlich für Privatfahrzeuge geöffnet. Doch in den ersten zwei Betriebsstunden überquerte kein einziges Fahrzeug die 760 Meter lange Schrägseilbrücke, was die weiterhin hohen administrativen Hürden verdeutlicht. Im Pilotbetrieb dürfen nur vorregistrierte Anwohner der vier Grenzstädte (Foz do Iguaçu, Ciudad del Este, Presidente Franco und Hernandarias) die Brücke zwischen 7:00 und 13:00 Uhr nutzen. Jeder Fahrzeuginsasse – auch Kinder – muss einen Documento de Trânsito Vicinal Fronteiriço (DTVF), einen Personalausweis und die Mercosur-“Carta Verde”-Versicherung vorweisen. Die Ausstellung des DTVF dauert bis zu 72 Werktunden und kostet auf brasilianischer Seite 63,85 R$. Die paraguayischen Behörden haben die Gebühr umstritten auf zwei Tagesmindestlöhne (ca. ₲ 234.000) festgesetzt, was Brasilien veranlasste, im Rahmen der bilateralen Gemeinsamen Kommission auf Reziprozitätsregeln zu pochen. Die Zollbehörden kündigen an, dass 100 % der Fahrzeuge einer physischen Kontrolle unterzogen werden, und der Transport von Handelswaren ist verboten – nur persönliche Gegenstände zur Selbstversorgung sind erlaubt. Lkw dürfen die Brücke nachts (18:00–05:00 Uhr) weiterhin nutzen, müssen jedoch leer einfahren; beladener Güterverkehr bleibt auf der älteren Ponte da Amizade. Die strengen Kontrollen sollen die Inspektionskapazitäten kalibrieren und Daten sammeln, bevor die Brücke voraussichtlich noch in diesem Jahr vollständig für Touristen und Grenzshopper geöffnet wird. Für lokale Unternehmen ist der langsame Start ein zweischneidiges Schwert. Einzelhändler in Ciudad del Este befürchten, dass der bürokratische Aufwand brasilianische Käufer abschreckt, während brasilianische Hoteliers hoffen, dass vereinfachte Zollverfahren künftig neue Besucher anziehen. Multinationale Unternehmen mit Logistikzentren in der Dreiländerregion sollten ihre Routenoptionen überprüfen: Sobald der Personenverkehr reibungslos läuft, planen die Behörden, einen Teil des Containerverkehrs auf die neue Brücke zu verlagern, um die Amizade-Brücke zu entlasten. Unternehmen mit grenzüberschreitenden Mitarbeitern sollten ihre Angestellten darauf hinweisen, dass der DTVF personenbezogen ist – nicht fahrzeuggebunden – und in beiden Ländern beantragt werden muss. Das Fehlen der Genehmigung kann zu sofortigen Bußgeldern und Einreiseverweigerung führen. Personal- und Reisemanagementteams empfehlen daher mobilen Mitarbeitern, stets aktuelle digitale Kopien aller Dokumente mitzuführen und während der Testphase zusätzliche Zeit für Kontrollen einzuplanen.
Quelle: Foz & Fronteira