
Der Oberste Gerichtshof der USA verhandelte am 1. April zwei Stunden lang in einem bahnbrechenden Einwanderungsfall, der darüber entscheiden wird, ob in den USA geborene Kinder von Eltern, die keine ständigen Einwohner oder Staatsbürger sind, automatisch die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Präsident Donald Trumps Exekutivverordnung vom Januar 2025 schränkt den Anwendungsbereich der Staatsbürgerschaftsklausel des Vierzehnten Verfassungszusatzes ein und würde Millionen in den USA geborener Kinder von Inhabern temporärer Visa, undokumentierten Migranten, DACA-Empfängern und ausländischen Studierenden den Pass, die Sozialversicherungsnummer und die Arbeitserlaubnis verweigern. Mehrere konservative Richter hinterfragten, ob die Exekutive die Verfassung ohne Zustimmung des Kongresses neu definieren kann, während liberale Richter vor der Schaffung einer Klasse staatenloser Kinder und der Untergrabung von 128 Jahren Rechtsprechung im Fall Wong Kim Ark warnten. Manager im Bereich Unternehmensmigration beobachten die Entwicklungen genau. Sollte das Gericht die Verordnung bestätigen, könnten Arbeitgeber, die auf in den USA geborene Angehörige ausländischer Arbeitnehmer für die I-9-Dokumentation angewiesen sind, plötzlich Compliance-Lücken gegenüberstehen. Unternehmen mit vielen H-1B-, L-1- und F-1-Arbeitnehmern müssten zudem neue Verpflichtungen bei der Sponsorenstellung einplanen, da diese Kinder ohne staatsbürgerliche Arbeitserlaubnis aus dem System herausfallen. Staatliche und kommunale Behörden befürchten einen erhöhten Verwaltungsaufwand: Standesämter müssten den Status der Eltern vor der Ausstellung von Geburtsurkunden prüfen, und Schulen könnten Bundesmittel verlieren, die an die Staatsbürgerschaftsdaten der Schüler gekoppelt sind. Gleichzeitig argumentieren Interessenvertretungen, dass eine Einschränkung des Geburtsrechts hochqualifizierte Fachkräfte davon abhalten könnte, US-Einsätze anzunehmen, was die STEM-Talentschmiede schwächt – gerade jetzt, wo die Auswahl der H-1B-Visa stärker nach Gehalt gewichtet wird. Eine Entscheidung wird bis zum Frühsommer erwartet. Unabhängig vom Ausgang sollten Mobility-Teams Gesprächsleitfäden für ausländische Mitarbeiter vorbereiten, I-9-Akten zu in den USA geborenen Kindern prüfen und mit Rechtsberatern Notfallstrategien zur Einbürgerung abstimmen. Der Fall zeigt, wie schnell exekutive Maßnahmen weitreichende Folgen für Unternehmens-Compliance und Talentplanung haben können.
Quelle: Axios