
Kaum drei Tage nach der Einführung des lang erwarteten biometrischen Ein- und Ausreisesystems (EES) der Europäischen Union kämpften die wichtigsten internationalen Drehkreuze Frankreichs am Wochenende mit vierstündigen Einwanderungsschlangen und wiederholten technischen Ausfällen. Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle (CDG) Terminal 2E berichteten Passagiere am frühen Morgen von einem „organisierten Chaos“, als automatisierte Kioske ausfielen und die Grenzpolizei gezwungen war, wieder manuell Pässe zu stempeln – genau das Verfahren, das das 1,3 Milliarden Euro teure EES eigentlich abschaffen sollte. Der größte Engpass liegt in der biometrischen Erfassung: Drittstaatsangehörige müssen vor dem Passieren des Gates einen Fingerabdruck und ein Live-Gesichtsbild vorlegen; wenn die Server ausfallen, steht die gesamte Schlange still. Der Luftfahrt-Analyst Schengen90 meldete am Samstag, den 11. April, Wartezeiten von bis zu 240 Minuten am CDG, London St Pancras (Eurostar) und im Eurotunnel-Terminal Folkestone, die sich auch auf den Sonntag auswirkten. Branchenverbände fordern nun von Brüssel eine Notfallregelung. Der Flughafenverband ACI Europe, gemeinsam mit Air France-KLM, easyJet und der European Regions Airline Association, hat die Europäische Kommission gebeten, der Grenzpolizei zu erlauben, die biometrische Erfassung „abzuschalten“, sobald die Wartezeiten 45 Minuten überschreiten. Französische Behörden verweisen darauf, dass eine 90-tägige Übergangsfrist in der EES-Verordnung solche Ausnahmen bereits zulässt, doch die Fluggesellschaften warnen, dass dies bei den Spitzen im Sommer ab Juni nicht ausreichen wird. Für globale Mobilitätsmanager lautet die praktische Empfehlung klar: Veranschlagen Sie an französischen Drehkreuzen zwei bis drei Stunden mehr für Anschlussflüge, sorgen Sie dafür, dass Reisende Ausdrucke ihrer Reisedokumente mitführen, und leiten Sie, wenn möglich, besonders wertvolle Mitarbeiter über Premium- oder VIP-Kanäle. Unternehmen, die in diesem Quartal Mitarbeiter verlegen, sollten Ankunftszeiten staffeln, um die morgendliche Transatlantik-Spitzenzeit zu vermeiden, wenn die EES-Kioske am stärksten belastet sind. Langfristig sind Experten überzeugt, dass das System den Missbrauch der 90/180-Tage-Schengenregel eindämmen und Grenzübertritte beschleunigen wird – allerdings erst, wenn die technischen Probleme behoben sind und die Reisenden sich an die Voranmeldung gewöhnt haben. Bis dahin bleibt Frankreichs Rolle als verkehrsreichste Außengrenze des Schengen-Raums der entscheidende Prüfstein für die Stabilität des EES in der EU.
Quelle: Visa-Algerie
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