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Italien steht vor dreistündigen Passschlangen, während das EU-Ein- und Ausreisesystem in Betrieb geht

Apr. 16, 2026
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Italien steht vor dreistündigen Passschlangen, während das EU-Ein- und Ausreisesystem in Betrieb geht
Italienische Flughäfen erleben die ersten ernsthaften Startschwierigkeiten mit dem neuen Ein- und Ausreisesystem (EES) der Europäischen Union, einem vollständig digitalen Register, das die manuelle Passkontrolle für Nicht-EU-Reisende ersetzt. Seit dem 10. April ist das System verpflichtend: Jeder Passagier aus Drittstaaten muss seinen Reisepass scannen, ein Foto machen lassen und vier Fingerabdrücke abgeben, bevor er die Grenzkontrolle passieren kann.

Laut Airports Council International Europe (ACI Europe) führen die zusätzlichen Kontrollzeiten bereits zu Wartezeiten von zwei bis drei Stunden an einem Dutzend großer Flughäfen – darunter Rom Fiumicino, Mailand Malpensa und Venedig Marco Polo. Über hundert Reisende verpassten bereits Anschlussflüge, wie etwa bei einem easyJet-Flug von Mailand nach Manchester, dessen Türen geschlossen wurden, bevor die Passagiere die Formalitäten abschließen konnten. Grenzbeamte berichten, dass eine erstmalige Registrierung bis zu fünf Minuten dauern kann, wenn ein Kiosk die Fingerabdrücke nicht richtig liest, während die Europäische Kommission von durchschnittlich 70 Sekunden ausgeht. Auch diese Zeitspanne ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den zehn Sekunden, die Geschäftsreisende bisher für den manuellen Passstempel gewohnt waren.

Da der Sommerreiseverkehr noch bevorsteht, warnt ACI-Direktor Olivier Jankovec: „Ohne die Möglichkeit, die Registrierung bei unkontrollierbaren Warteschlangen auszusetzen, droht ein Stillstand an den Flughäfen.“ Das italienische Innenministerium arbeitet Berichten zufolge an Notfallplänen, darunter die schnelle Bereitstellung von 450 Hilfskräften der Guardia di Finanza, die ab Mai die Grenzkontrollen an Fiumicino und Malpensa verstärken sollen.

Italien steht vor dreistündigen Passschlangen, während das EU-Ein- und Ausreisesystem in Betrieb geht


Für global agierende Unternehmen bedeutet dies verpasste Anschlussflüge, längere Fürsorgepflichten und höhere Kosten. Reiseleiter mehrerer in Mailand ansässiger multinationaler Konzerne berichteten Il Sole 24 Ore, dass sie Führungskräfte über Zürich oder Wien umleiten, um Engpässe bei der Ausreise aus Italien zu vermeiden, und ihre Mitarbeiter anweisen, vier Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Auch die Fluggesellschaften sind besorgt: ITA Airways hat ihre Beförderungsbedingungen aktualisiert und erklärt, dass Passagiere, die wegen EES-bedingter Verzögerungen einen Flug verpassen, nur dann kostenlos umgebucht werden, wenn die Behörden offiziell eine höhere Gewalt erklären.

Die Regierung sieht wenig Spielraum. Italien hatte das biometrische System als Sicherheitsmaßnahme nach den Anschlägen von Paris 2015 unterstützt. Behörden verweisen darauf, dass die Fahndungserfolge bereits steigen – in den ersten fünf Tagen wurden laut Kommissionsdaten fast 700 Reisende mit Haftbefehlen in der EU registriert. Dennoch drängt Rom auf eine 90-tägige „Schonfrist“, die wiederkehrenden Besuchern mit sauberer Passkontrolle während der Stoßzeiten eine vollständige biometrische Erfassung ersparen würde. Dieser Vorschlag wird derzeit von der Arbeitsgruppe für Justiz und Inneres des EU-Rats geprüft.

Praktische Tipps für Unternehmen und Reisende: (1) Einmal registrieren und den Bestätigungs-QR-Code griffbereit halten – bei Wiederholungsbesuchen innerhalb von drei Jahren reicht ein Passscan; (2) Flughäfen mit den neuesten Selbstbedienungskiosken nutzen (Terminal 3 in Rom FCO und Terminal 1 in Mailand MXP), da hier die Fehlerquote geringer ist; (3) zusätzliche Pufferzeiten für Meetings und Flüge einplanen; und (4) US- und UK-Mitarbeiter daran erinnern, dass das EES unabhängig von ETIAS ist, der Reisegenehmigung, deren Einführung für Ende 2026 erwartet wird.
Quelle: The Guardian

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