
Fünf Tage nach der verpflichtenden Einführung des biometrischen Ein- und Ausreisesystems (EES) der EU erleben italienische Flughäfen einige der längsten Wartezeiten bei der Grenzkontrolle im gesamten Block. Laut Airports Council International Europe (ACI Europe) berichteten Passagiere in Mailand, Rom und Venedig am 15. April von Warteschlangen von bis zu drei Stunden, während die Polizei Fingerabdrücke und Gesichtsbilder von Nicht-EU-Reisenden erfasst. Am Sonntag verpassten über 100 EasyJet-Kunden ihren Flug von Mailand nach Manchester, als das Flugzeug mit nur 34 Passagieren an Bord abheben musste. Ryanair-Chef Michael O’Leary bezeichnete die Lage als „Chaos“ und forderte Brüssel auf, die strenge Durchsetzung bis nach dem Sommeransturm zu verschieben. Die Europäische Kommission betont, dass die durchschnittliche Erstregistrierung nur 70 Sekunden dauert, räumt jedoch „technische Probleme“ in „einigen Mitgliedstaaten“, darunter Italien, ein. Branchenverbände fordern die Möglichkeit, Registrierungspflichten vorübergehend auszusetzen, wenn die Warteschlangen bestimmte Grenzwerte überschreiten; sie warnen, dass ohne Entlastungsmaßnahmen der Sommerverkehr die ohnehin durch Streiks und saisonale Ausfälle personell geschwächten Terminals überfordern könnte. Für Firmenmobilitätsteams stellen die neuen Engpässe praktische Herausforderungen dar. Die im letzten Jahr erarbeiteten Reiserichtlinien gingen von einem Abflugzeitfenster von 90 Minuten am Flughafen Rom-Fiumicino aus; Unternehmen wie Accenture und Leonardo passen ihre Empfehlungen nun an und raten, mindestens drei Stunden vor Abflug einzutreffen. Umzugsberater berichten zudem von verzögerten Terminen für Aufenthaltstitel, da Questura-Büros Personal zur Unterstützung an Flughäfen abziehen. Fluggesellschaften warnen, dass verlängerte Warteschlangen zu weiteren Störungen im Flugplan führen. Verpasste Abflüge verursachen leere Plätze auf Rückflügen, was die Airlines zwingt, Crews umzudisponieren oder Flüge zu streichen. Auch No-Shows in der Business Class mindern Zusatzumsätze. Firmenreisekäufer setzen sich daher für flexible Umbuchungsgebühren und automatische Neubuchungen ein, wenn Bordkarten ausgestellt, Reisende aber nicht rechtzeitig die Passkontrolle passieren können. Das Innenministerium hat zugesagt, vor dem 1. Mai 300 zusätzliche Grenzpolizisten einzusetzen und weitere automatisierte e-Gates am Flughafen Mailand-Malpensa zu öffnen. Reiseverantwortliche sollten die Flughafenhinweise genau verfolgen und Mitarbeiter über die EES-Verfahren informieren, darunter die Notwendigkeit eines vollständigen Gesichtsbildes ohne Brille oder Kopfbedeckung sowie das Scannen von vier Fingerabdrücken. Vielflieger können nach der Erstregistrierung mit schnelleren Abläufen rechnen.
Quelle: The Guardian
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