
Der französische Innenminister Laurent Nuñez und die britische Innenministerin Shabana Mahmood reisten am 23. April zu den Stränden vor Dünkirchen, um das bislang teuerste bilaterale Abkommen zur Grenzsicherung zwischen beiden Ländern zu unterzeichnen. Im Rahmen der Vereinbarung über 662 Millionen Euro – größtenteils vom Vereinigten Königreich finanziert – wird Paris die Zahl der Polizisten, Gendarmen und Reservisten, die den 150 Kilometer langen Küstenabschnitt Nordfrankreichs überwachen, in den nächsten drei Jahren um 54 % erhöhen. Neu an diesem Pakt ist die Technologie-Klausel: Großbritannien finanziert einen Luftüberwachungsverbund aus Langstreckendrohnen, Wärmebildtürmen und KI-gestützten Kameras, die Live-Videos an ein gemeinsames Einsatzzentrum in Coquelles senden. Zudem wird eine 24-Stunden-Schnellreaktionseinheit auf See mit sechs neuen Hochgeschwindigkeits-Abfangbooten ausgestattet, die in französischen Hoheitsgewässern operieren können – eine Lücke, die London in früheren Abkommen von Le Touquet und Sandhurst stets bemängelt hatte. Für Unternehmen, die Personen oder Waren über Calais, Dünkirchen, den Eurotunnel oder den Hafen von Dover transportieren, wird sich die operative Wirkung fast sofort bemerkbar machen. Transportunternehmen werden darauf hingewiesen, dass Stichprobenkontrollen bei LKWs und Firmenbussen zunehmen werden, da die französischen Behörden vermehrt Schleuser aufspüren wollen, die Migranten in Handelsfracht verstecken. Eurostar hat bereits eine Kundeninformation herausgegeben, wonach Ein- und Ausreisekontrollen am Gare du Nord in den ersten Wochen der Umsetzung 10 bis 15 Minuten länger dauern können. Politisch verschafft das Abkommen Premierminister Keir Starmer vor den Kommunalwahlen im Vereinigten Königreich Luft zum Atmen und ermöglicht Präsident Sébastien Lecornu, zu zeigen, dass Frankreich nicht nur ein Transitland ist, sondern die EU-Außengrenzen aktiv durchsetzt. Menschenrechtsorganisationen warnen jedoch, dass die verstärkten Kontrollen Migranten auf noch gefährlichere Routen entlang der Küsten der Normandie und der Bretagne drängen könnten. Unternehmen mit entsandten Mitarbeitern in Großbritannien oder Frankreich sollten ihre Reisenden über mögliche Verzögerungen in Calais/Dover und am Eurotunnel informieren, ihre Fürsorgepflichten überprüfen und sicherstellen, dass gewerbliche Fahrer Arbeitgeberbescheinigungen über den Frachtinhalt mitführen, um längere Kontrollen zu minimieren.
Quelle: Associated Press
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