
Die Umwelt-Dachorganisation Umverkeh und ein Bündnis linker Parteien haben am 28. April offiziell mit der Unterschriftensammlung für die „Mobilitätsgutschein-Initiative“ begonnen. Die Volksinitiative will eine Mindestabgabe von 30 CHF auf jeden Passagierflug ab der Schweiz einführen (für interkontinentale Business-Jet-Sitze sogar bis zu 500 CHF) und mindestens zwei Drittel der Einnahmen – geschätzt auf 1,5 Milliarden CHF pro Jahr – in Gutscheine umwandeln, die Einwohner für den öffentlichen Nahverkehr im Inland oder internationale Zugverbindungen einlösen können. Befürworter argumentieren, dass die Befreiung der Luftfahrt von Treibstoffsteuern und Mehrwertsteuer Kurzstreckenflüge künstlich günstiger mache als die Bahn und so Verhaltensweisen fördere, die den Klimazielen der Schweiz zuwiderlaufen. Sie verweisen zudem auf den Zusammenbruch der Nachtzugverbindungen in den letzten zwei Jahrzehnten und fordern neue Mittel, um direkte Schlafwagenverbindungen von Zürich und Basel nach Barcelona, Kopenhagen und Prag wieder zu eröffnen. Die Initiative hat 18 Monate Zeit, um 100.000 beglaubigte Unterschriften zu sammeln. Gelingt dies, muss der Bundesrat ein Umsetzungsgesetz ausarbeiten und einen Abstimmungstermin festlegen – voraussichtlich im Jahr 2028. Fluggesellschaften, die von den Flughäfen Zürich, Genf und Basel operieren, warnen, dass ein Ticketzuschlag den Umsteigeverkehr abschrecken und preisbewusste Reisende zu ausländischen Drehkreuzen wie Mailand Malpensa oder München treiben würde. Swiss International Air Lines weist darauf hin, dass der Vorschlag die Kerosinsteuerpläne der EU dupliziere und der Airline jährlich 200 Millionen CHF kosten könnte. Aus globaler Mobilitätsperspektive würden Geschäftsreisende mit Tickets ab der Schweiz höhere Flugpreise zahlen, könnten aber einen Teil der Kosten ausgleichen, indem sie ihre Mitarbeitenden ermutigen, die Gutscheine für Zugfahrten im wachsenden Alpenkorridor-Netz zu nutzen. Multinationale Unternehmen mit hohem Pendleraufkommen zwischen Schweizer und benachbarten Büros werden beobachten, ob die Preise für grenzüberschreitende Abonnements sinken, sobald die Gutscheinfinanzierung eingeführt wird. Entscheidet sich das Parlament für einen Gegenvorschlag mit einer niedrigeren Abgabe oder einer Zweckbindung der Mittel für nachhaltigen Flugkraftstoff, könnten die Mobilitätsbudgets für die Jahre 2029-2030 ganz anders aussehen als heute prognostiziert.
Quelle: blue News
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