
Frankreich und das Vereinigte Königreich haben stillschweigend vereinbart, ihr umstrittenes Pilotprojekt „Eins rein, eins raus“ zur Rückführung von Migranten bis zum 1. Oktober 2026 zu verlängern, wie am Wochenende aus Quellen des Innenministeriums verlautete. Im Rahmen dieses Mechanismus – der im Juli letzten Jahres von Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Keir Starmer unterzeichnet wurde – wird ein Asylbewerber, der erfolgreich den Ärmelkanal in einem kleinen Boot überquert, nach Frankreich zurückgeschickt, während das Vereinigte Königreich im Gegenzug eine Person aus Frankreich über reguläre Umsiedlungskanäle aufnimmt. Ursprünglich sollte das Pilotprojekt am 11. Juni auslaufen, bisher wurden jedoch mehr als 600 Menschen nach Frankreich zurückgeführt und etwas über 580 legal nach Großbritannien aufgenommen. Die Verlängerung soll einen „vollen Stresstest im Sommer“ ermöglichen, wenn die Überquerungsversuche traditionell ansteigen. Berater des französischen Innenministeriums betonen, dass die Vereinbarung sowohl mit EU- als auch mit französischem Recht vereinbar sei, da die Rückführungen als „freiwillige Wiedereinreisen“ behandelt werden. Menschenrechtsorganisationen auf beiden Seiten des Kanals kritisieren jedoch, dass das Programm die Asylverfahren des Vereinigten Königreichs faktisch auslagert und die Rückkehrer in bürokratischer Unsicherheit zurücklässt. Anwälte in Calais berichten von Fällen, in denen Menschen hunderte Kilometer ins Landesinnere gebracht werden, ohne eine Unterkunftsgarantie zu erhalten. Für Manager im Bereich globale Mobilität und Unternehmensverlagerung signalisiert die Verlängerung anhaltende operative Unsicherheiten auf der Kanalroute. Kunden, die Personal zwischen den beiden Ländern verlegen, sollten längere Bearbeitungszeiten für Familienzusammenführungsvisa einplanen, mögliche Rechtsmittel berücksichtigen und Reservebudgets für vorübergehende Unterkünfte vorsehen. Verkehrsunternehmen erwarten unterdessen einen moderaten Rückgang bei Fähr- und Eurotunnel-Buchungen durch irreguläre Migranten, warnen jedoch, dass Schleuser ihre Abfahrtsorte bereits auf belgische Strände und Lkw-Routen verlagert haben. Politische Analysten weisen darauf hin, dass das bilaterale Abkommen voranschreitet, während EU-Innenminister noch um einen einheitlichen Rückführungsrahmen für den gesamten Block ringen. Paris sieht das Pilotprojekt als Verhandlungsmasse in diesen Gesprächen, während London es im Inland als Beweis dafür darstellt, dass „sichere und legale Wege“ gefährliche Bootsfahrten ersetzen können. Ob die Zahlen dies in der geschäftigen Sommersaison bestätigen werden, bleibt abzuwarten.
Quelle: The Guardian
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