
Der Verkehr auf der A22 zwischen Italien und Österreich normalisierte sich am späten Sonntagabend, dem 31. Mai, nachdem Tausende Umweltaktivisten den Brennerpass, Europas wichtigste Nord-Süd-Frachtachse, einen ganzen Tag lang blockiert hatten. Die Betreiber ASFINAG und Autostrada del Brennero bestätigten, dass alle Fahrspuren kurz vor 20:00 Uhr wieder freigegeben wurden, womit die stundenlangen Rollschließungen endeten, die die Polizei zwangen, 219 Schwerlastfahrzeuge umzuleiten oder zurückzuschicken. Die Demonstration, die bewusst auf das Pfingstwochenende der deutschen Autofahrer gelegt wurde, machte die langjährigen Spannungen in Tirol und Südtirol deutlich, wo Anwohner strengere Beschränkungen für Lkw-Verkehr und nächtliche Fahrverbote fordern, um Lärm und Dieselabgase zu reduzieren. Die Protestführer forderten eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und eine beschleunigte Fertigstellung des Brenner-Basistunnels durch die EU, dessen Bau sich nun mindestens bis 2030 verzögert. Für Logistikmanager verdeutlichte die kurze Sperrung die Verwundbarkeit von „Just-in-Time“-Lieferketten, die auf die Alpenroute angewiesen sind, um italienische Hersteller mit Märkten in Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien zu verbinden. Schon eine halbtägige Unterbrechung kann Produktionspläne durcheinanderbringen, Strafgebühren für verspätete Lieferungen auslösen und Spediteure zu teureren Umwegen über die Korridore Tarvisio oder Reschen zwingen. Besonders betroffen sind italienische Exporteure von frischen Agrarprodukten und hochwertigen Autoteilen, da viele Verträge den Brenner als Hauptstrecke vorsehen. Spediteure raten ihren Kunden, in dieser Woche 24 bis 48 Stunden Puffer in die Lieferfenster einzubauen, bis der Rückstau abgearbeitet ist, und den ÖAMTC-Verkehrsbericht wegen möglicher Folgeproteste Mitte Juni im Auge zu behalten. Mittelfristig könnten Unternehmen mit festen Volumina Schienenplätze auf der Verona–Wörgl Rollenden Autobahn sichern oder Adriatische Kurzstrecken-Schifffahrtsverbindungen nach Bayern und Baden-Württemberg prüfen. Diese Alternativen sind zwar zunächst teurer, bieten aber eine Absicherung gegen zunehmend häufige zivilgesellschaftliche Aktionen zur Einschränkung des transalpinen Straßengüterverkehrs.
Quelle: The Europe Today