
Brüssel steht erneut im Zentrum eines EU-Streits um die Luftfahrt, nachdem der Airports Council International Europe (ACI Europe) eine scharfe Kritik an den von der Kommission vorgeschlagenen Überarbeitungen der Beihilfeleitlinien veröffentlicht hat. In einem 17-seitigen Positionspapier vom 11. Juni argumentiert der Branchenverband – dessen Hauptsitz nur zwei Blocks vom Berlaymont entfernt liegt – dass die Begrenzung der Betriebshilfen für Flughäfen mit weniger als einer Million Passagieren und die Abschaffung der Start-up-Streckenförderung die regionale Anbindung „vernichten“ würden. Besonders betroffen sind in Belgien die Flughäfen Ostende-Brügge, Lüttich und Charleroi. ACI Europe warnt, dass ohne Anreize für neue Strecken Billigfluggesellschaften Kapazitäten auf konkurrierende Drehkreuze in Frankreich oder Deutschland verlagern könnten, was die Fracht- und Passagierströme schwächt, die belgische KMU im globalen Wettbewerb stärken. Die Föderation der Belgischen Handelskammern teilt diese Sorge und weist darauf hin, dass 42 % der Exporteure aus Flandern auf regionale Flughäfen für Just-in-Time-Lieferungen angewiesen sind. Die Entwurfsleitlinien würden zudem Flughäfen mit mehr als drei Millionen Passagieren von Investitionshilfen ausschließen – ein indirekter Schlag gegen die geplante 1,2-Milliarden-Euro-Erweiterung des Pier B am Flughafen Brüssel, die laut Betreiber nötig ist, um bis 2030 35 Millionen Passagiere zu bewältigen. Während die Kommission betont, die Regeln sollen Marktverzerrungen verhindern, warnt ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec vor „wachsenden regionalen Ungleichheiten“ und steigendem EU-Skeptizismus. Die Konsultation endet am 30. Juni; belgische Behörden planen eine gemeinsame Stellungnahme mit den Niederlanden und Luxemburg, um mehr Flexibilität für grenzüberschreitende Flughafencluster zu erreichen. Für Mobilitätsmanager könnte das Ergebnis ab 2027 Auswirkungen auf Streckenverfügbarkeit und Flugpreisschwankungen haben. Unternehmen mit Personalrotationen über Lüttich oder Charleroi sollten Notfallpläne entwickeln, falls bestimmte Direktverbindungen wegfallen.
Quelle: ACI Europe