
Am 18. Juni warnte der Gouverneur von Westflandern, Carl Decaluwé, dass Belgien zur neuen „Startrampe“ für Bootsüberfahrten ins Vereinigte Königreich geworden sei, mit bisher über 400 Abfängen in diesem Jahr. In einem Gespräch mit lokalen Medien forderte er die Behörden auf, die gemeinsamen Patrouillen mit Frankreich entlang des Ypern-Dünkirchen-Korridors zu verstärken und die 2016 eingerichteten französisch-belgischen mobilen Grenzkontroll-Einheiten wiederzubeleben. Während die Krise der Überfahrten über den Ärmelkanal bisher vor allem die nördlichen französischen Strände betraf, bringen Schmuggler zunehmend Migranten von Calais zu belgischen Küstenorten wie De Panne und Nieuwpoort, um den französischen Gendarmerie-Patrouillen zu entgehen. Daten des britischen Innenministeriums bestätigen einen Anstieg der Abfahrten von belgischen Küsten um 37 % im ersten Quartal 2026. Für Frankreich ist diese Verschiebung ambivalent: Weniger Abfahrten an der eigenen Küste entlasten die unmittelbare Polizeiarbeit, erhöhen aber das Risiko, dass Migranten bei verstärkten belgischen Sicherheitsmaßnahmen wieder zurück nach Frankreich gelangen. Das Innenministerium erklärte, man sei „bereit, die Koordination zu verstärken“ und verwies auf eine bestehende trilaterale Taskforce mit Belgien und dem Vereinigten Königreich. Firmen, die Mitarbeiter über Lille, Dünkirchen oder den Flughafen Brüssel verlegen, sollten mit stichprobenartigen Ausweiskontrollen auf der E40/A16 und möglichen Verzögerungen bei Eurostar-Verbindungen rechnen, falls die sporadischen Kontrollen im Schienenverkehr wieder eingeführt werden. Logistikunternehmen könnten zudem mit strengeren Zollkontrollen bei unbegleiteten Transportern rechnen – eine Maßnahme, die bereits während der Spitzenzeiten 2024 getestet wurde. Langfristig verstärken Decaluwés Äußerungen die Forderungen aus Paris nach einem EU-weiten maritimen Überwachungspool und könnten die Mittelverteilung im Rahmen des Inneren Sicherheitsfonds 2027–2030 beeinflussen – Gelder, die letztlich die Personalstärke an Grenzposten sichern und damit den Geschäftsreiseverkehr beeinflussen.
Quelle: Brussels Signal
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