
Die beiden großen Flughäfen Roms – Leonardo da Vinci (Fiumicino) und G.B. Pastine (Ciampino) – erwägen eine vorübergehende Aussetzung des neuen EU-Ein- und Ausreisesystems (EES) für Nicht-EU-Reisende, da die Passagierzahlen im Juli und August stark ansteigen. Das EES, das seit dem 10. April 2026 nach einer achtzehnmonatigen Pilotphase in Italien verpflichtend ist, erfasst digital Fingerabdrücke und Gesichtsaufnahmen der Reisenden, anstatt die Pässe zu stempeln. Obwohl das System eine stärkere Grenzsicherheit und automatische Hinweise bei Überziehungen der Aufenthaltsdauer verspricht, dauert die Registrierung pro Person 45 bis 90 Sekunden. Marco Troncone, Geschäftsführer von Aeroporti di Roma (AdR), sagte der Financial Times, er sei „acht oder neun von zehn“ besorgt, dass der Prozess „mit den Spitzenzeiten nicht vereinbar“ sei, und warnte vor „katastrophalen“ Warteschlangen, die sich auf das gesamte Schengen-Netzwerk auswirken könnten. EU-Vorschriften erlauben es Mitgliedstaaten, das EES bis zu sechs Stunden auszusetzen, wenn die Wartezeiten 45 Minuten überschreiten. Italienische Medien haben jedoch Entwürfe geleakt, die Flughäfen erlauben würden, bis zum 30. September wieder manuell zu stempeln. Die Regierung hat eine generelle Ausnahmeregelung bislang nicht bestätigt, sodass AdR eigene Notfallpläne vorbereitet. Diskutiert werden unter anderem eine dynamische Überwachung der Warteschlangenlänge, spezielle Kontrollspuren für Familien und Besatzungen sowie eine vorübergehende Umverteilung von Grenzbeamten von ruhigeren Kontrollstellen. Für Geschäftsreisende bedeutet die Unsicherheit längere Umsteigezeiten und die Möglichkeit, dass die Passkontrollen ohne Vorankündigung zwischen biometrischer und manueller Kontrolle wechseln. Mobilitätsmanager raten Reisenden, gedruckte Bordkarten mitzuführen, mindestens drei Stunden vor Langstreckenflügen anzureisen und die Social-Media-Kanäle von AdR und der Grenzpolizei für Echtzeit-Updates zu verfolgen. Sollte Rom das EES aussetzen, könnten weitere stark frequentierte italienische Flughäfen wie Mailand Malpensa, Venedig Marco Polo und Neapel Capodichino folgen, was die EU-weite Einführung digitaler Grenzkontrollen vor dem Start von ETIAS Ende 2026 verzögern könnte. Die Debatte in Brüssel darüber, ob Fluggesellschaften oder Flughäfen die Kosten für zusätzliche Terminals und Personal während der Hochsaison tragen sollen, wird dadurch weiter angeheizt.
Quelle: The Local Italy