
Etihad Rail erreichte am 30. Juni 2026 einen historischen Meilenstein, als der erste Passagierzug bei Tagesanbruch von Fujairah abfuhr und genau eine Stunde und 45 Minuten später am neuen Mohamed-bin-Zayed-Bahnhof in Abu Dhabi ankam. Mit diesem Start reiht sich die Vereinigten Arabischen Emirate in die Liga der Länder mit landesweiter Schienenmobilität ein – ein Erfolg, der laut Planern alle sieben Emirate verbinden und in späteren Phasen bis nach Oman und Saudi-Arabien ausgedehnt werden soll. Der Einführungfahrplan sieht drei Hin- und Rückfahrten jeweils dienstags, freitags und sonntags vor, während das Personal die Abläufe hochfährt und zertifiziert wird. Die Züge bieten Business- und Economy-Klassen, kostenloses WLAN sowie großzügige Gepäckablagen, speziell zugeschnitten auf Geschäftsreisende, die bisher eine 270 Kilometer lange Fahrt auf der Autobahn oder einen Kurzstreckenflug in Kauf nehmen mussten. Die Fahrpreise beginnen bei 90 AED für eine einfache Fahrt, dynamische Preisgestaltung folgt, sobald das Buchungssystem Nachfrage-Daten sammelt. Die Tickets für den ersten Tag waren innerhalb von nur zwei Stunden nach Verkaufsstart über die Etihad Rail App ausverkauft – ein deutliches Zeichen für den großen Bedarf an einer Alternative zur oft überlasteten E-11-Autobahn. Für Mobilitätsmanager in Unternehmen hat das sofortige Auswirkungen: Die Bahn eröffnet eine verlässliche, wetterunabhängige Verbindung, die Tagesrückfahrten zwischen dem Regierungsviertel Abu Dhabis und den Freihafenhäfen von Fujairah ermöglicht. Frühmorgendliche Züge erreichen die Hauptstadt vor 8 Uhr, sodass Führungskräfte auf Übernachtungen verzichten können, während die Wochenendverbindungen den Inlandstourismus unter Expat-Familien ankurbeln sollen. Der Passagierbetrieb ergänzt das seit 2025 aktive Güternetz, das bereits Schwefel, Schüttgüter und Container zwischen Ruwais, Jebel Ali und der saudischen Grenze transportiert. Laut Verkehrsministerium könnte die Verlagerung vom Straßen- auf den Schienenverkehr die CO₂-Emissionen pro Tonne-Kilometer um 70 bis 80 Prozent reduzieren, sobald das System vollständig ausgebaut ist – ein wichtiger Beitrag zum Netto-Null-Ziel der VAE bis 2050. Blickt man voraus, bereitet der gemeinsame Betreiber Keolis von Etihad Rail die Einführung der zweiten Phase vor, die bis Ende 2027 Ziele wie Dubai Investment Park, Sharjah und Ras Al Khaimah umfasst. Machbarkeitsstudien für grenzüberschreitende Verbindungen nach Muscat laufen bereits, was die VAE zum Zentrum eines zukünftigen GCC-Schienennetzes machen und die Optionen für regionale Geschäftsreisen erheblich erweitern würde.