
Die französische Innenministeriums-Direktion für Ausländerangelegenheiten (DGEF) veröffentlichte am 30. Juni 2026 stillschweigend ihren jährlichen Bericht zu Aufenthaltstiteln. Die Zahlen zeigen eine deutliche Veränderung im Profil der Neuankömmlinge, die jeder Mobility-Manager mit Mitarbeitern in Frankreich verstehen sollte. Laut vorläufigen Daten wurden 2025 insgesamt 377.462 erstmalige Aufenthaltstitel ausgestellt – ein Anstieg von 9,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Die auffälligste Entwicklung ist humanitärer Natur: Aufenthaltstitel aus Gründen des Flüchtlingsschutzes, subsidiären Schutzes oder medizinischer Notwendigkeit stiegen um 56,8 % auf 88.001, wobei die Fälle subsidiären Schutzes allein um mehr als das Doppelte (+116 %) zunahmen. Ukrainer waren die am schnellsten wachsende Nationalität (+248 %), gefolgt von Afghanen (+42 %), was den Krieg in der Ukraine und die anhaltende Instabilität in Afghanistan widerspiegelt. Humanitäre Aufenthaltstitel liegen nun fast gleichauf mit Familiennachzugs-Titeln und haben wirtschaftliche Aufenthaltstitel in absoluten Zahlen überholt. Das Bild bei der wirtschaftlichen Einwanderung ist weniger positiv: Erstmalige wirtschaftliche Aufenthaltstitel gingen um 13,2 % zurück, bedingt durch einen Rückgang der Arbeitsvisa für Angestellte um 12,1 % und einen Einbruch bei Saisonarbeitergenehmigungen um 28,2 %. Nur die Kategorien Wissenschaftliche Forschung und Unternehmer verzeichneten leichte Zuwächse. Praktisch bedeutet das für Arbeitgeber, die neue Mitarbeiter über die Talent-Route (ehemals Talent Passport) oder die EU Blue Card einstellen, dass sich die Bearbeitungszeiten verlängern können, da die Präfekturen humanitäre Fälle priorisieren. Die Mobilität von Studierenden erholte sich und stieg um 5,3 % auf 116.835 Aufenthaltstitel, was bestätigt, dass Frankreich weiterhin ein attraktiver Hochschulstandort ist. Die familienbasierte Einwanderung blieb nahezu stabil (–0,1 %). Insgesamt erreichte die rechtmäßig in Frankreich lebende ausländische Bevölkerung am 31. Dezember 2025 4,5 Millionen, ein Anstieg von 3,2 %. Für Personalabteilungen ist der Bericht ein realistischer Weckruf: Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt in Frankreich bleibt hoch, doch die Verwaltungskapazitäten der Präfekturen sind zunehmend durch Schutzverfahren gebunden. Unternehmen, die innergemeinschaftliche Versetzungen oder Neueinstellungen planen, sollten längere Vorlaufzeiten für Umzüge einplanen, die Rückstände bei den lokalen Präfekturen beobachten und die sich entwickelnden Terminvergaberegeln der digitalen ANEF-Plattform berücksichtigen. Gleichzeitig unterstreichen die steigenden humanitären Zahlen die Bedeutung von betrieblichen Integrationsprogrammen, die Neuankömmlingen den Zugang zu Wohnraum, Sprachkursen und Sozialleistungen erleichtern.