
Die drei wichtigsten Luftfahrtverbände Europas – ACI Europe, Airlines for Europe (A4E) und IATA – veröffentlichten am 1. Juli einen offenen Brief, in dem sie davor warnen, dass das Schengen-Einreise-/Ausreisesystem (EES) einen „kritischen Punkt“ erreicht hat. Seit der vollständigen Inbetriebnahme im April führt das biometrische System bei Nicht-EU-Passagieren zu Wartezeiten von bis zu fünf Stunden, wobei die Flughäfen Madrid-Barajas und Barcelona-El Prat besonders stark betroffen sind. Die Branchenverbände fordern die Europäische Kommission auf, den Mitgliedstaaten zu erlauben, das EES vorübergehend abzuschalten, wenn das Passagieraufkommen die Grenzkontrollkapazitäten übersteigt – zumindest bis August. Sie verweisen auf verpasste Anschlussflüge, Überlastung der Flugsteige und steigende Überstundenkosten für das Bodenpersonal. Besonders anfällig seien kleinere Ferienflughäfen in Spanien wie Málaga, Alicante und Palma de Mallorca, da die Ankunftshallen keinen Platz für zusätzliche Warteschlangen bieten. Für Firmen, die Geschäftsreisen planen, hat das unmittelbare Folgen: Reisende aus visafreien Ländern (USA, Großbritannien, Kanada, Australien etc.) sollten in diesem Sommer längere Umsteigezeiten bei Verbindungen über Spanien einplanen. Arbeitgeber könnten zudem ihre Mitarbeiter über die Schritte der biometrischen Erfassung informieren, um den Ablauf zu beschleunigen. Einige Unternehmen prüfen als Übergangslösung Fast-Track- oder VIP-Services, deren Verfügbarkeit jedoch begrenzt ist. Die spanischen Behörden unterstützen den Flexibilitätsaufruf zwar im Hintergrund, befürchten jedoch, dass eine Aussetzung des EES den geplanten Start von ETIAS im vierten Quartal 2026 gefährden könnte. Die Kommission hat den Mitgliedstaaten bislang nur enge Ausnahmeregelungen gewährt, die es den Beamten erlauben, in Ausnahmefällen auf die Fingerabdruckerfassung zu verzichten; die Airlines halten dies für unzureichend, um die chronische Überlastung zu verhindern. Langfristig deutet der Brief darauf hin, dass Spanien – mittlerweile eines der meistbesuchten Touristenziele Europas – weiter in elektronische Kontrollsysteme, Personal und Terminalumbauten investieren muss, um Sicherheitsanforderungen mit einem reibungslosen Reiseerlebnis in Einklang zu bringen.
Quelle: Euronews