
Der Flughafen Brüssel stand am Freitagmorgen erneut vor einer Belastungsprobe des neuen Ein- und Ausreisesystems der EU (EES), als Tausende Musikfans zum zweiten Wochenende von Tomorrowland eintrafen. Beiträge im Reddit-Forum des Festivals berichteten, dass Inhaber von Pässen aus Nicht-EU-Ländern zwischen zwei und drei Stunden an der Passkontrolle warteten, während Flughafenmitarbeiter Wasserflaschen und Süßigkeiten verteilten, um die Stimmung zu beruhigen. Ein kanadischer Passagier schrieb, er sei „nach 1 Stunde und 45 Minuten immer noch in der Schlange und habe noch nicht einmal einen Kiosk gesehen“. Der Betreiber des Flughafens, die Brussels Airport Company, bestätigte, dass die Bearbeitung in Spitzenzeiten durch die obligatorische biometrische Erfassung (Fingerabdrücke und Gesichtsscans), die im Rahmen des EES für jede erstmalige Schengen-Einreise in diesem Sommer erforderlich ist, verlangsamt wurde. Obwohl zusätzliche elektronische Gates installiert wurden, können diese nur von Passagieren aus visafreien Ländern mit biometrischen Pässen genutzt werden; alle anderen werden zu manuellen Kontrollstellen geleitet, an denen die Grenzpolizei die Fingerabdrücke registrieren muss. Ein Sprecher räumte ein, dass die Ankunft von Großraumflugzeugen aus Nordamerika, dem Golf und Asien zu eng getaktet sei, „was einen Wellen-Effekt erzeugt, den wir nicht schnell genug abfangen können“. Die Tomorrowland-Veranstalter erklärten, sie hätten den Ticketinhabern, die am Freitag anreisten, geraten, „mindestens vier Stunden zwischen Landung und erstem Shuttlebus einzuplanen“, doch viele Reisende ignorierten diese Warnung. Auch Geschäftsreisende berichten von ähnlichen Verzögerungen bei nicht-festivalbezogenem Verkehr: Berater, die zu Meetings am Montag anreisen, werden aufgefordert, bereits am Vorabend zu landen, während Kurzstrecken-Tagesausflüge zunehmend über Amsterdam oder Paris umgeleitet werden, bis Brüssel seine Grenzkontrollen stabilisiert hat. Die belgische Bundespolizei betont, dass die Situation vorübergehend sei. Nächste Woche werden acht zusätzliche Kontrollstellen in Concourse B eröffnet, und eine Schnellspur für Inhaber von mehrfachen Schengen-Visa, die bereits biometrische Daten bei einer früheren Reise hinterlegt haben, wird erprobt. Dennoch berichteten Fluggesellschaften beim Treffen der Flughafen-Community, dass Passagiere mit Anschlussproblemen inzwischen 3 % des täglichen Verkehrs ausmachen – ein Wert, der seit dem unmittelbaren Neustart nach COVID nicht mehr erreicht wurde. Für Mobilitätsteams lautet die klare Empfehlung: großzügige Zeitpuffer in Reisepläne einbauen, prüfen, ob Mitarbeiter bereits einen EES-Datensatz haben, und als Absicherung erstattungsfähige Bahntickets in Betracht ziehen. Das EES bleibt in Kraft, und die Warteschlangen dürften sich verschärfen, wenn später im Jahr das parallele ETIAS-Vorabgenehmigungssystem eingeführt wird.
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