
Führende Vertreter der Reisebranche fordern Andy Burnham, Bürgermeister der Greater Manchester Combined Authority, auf, die europäischen Regierungschefs zu drängen, während der Hauptsaison im Sommer mehr Flexibilität beim neuen EU-Ein- und Ausreisesystem (EES) zu gewähren. Am 24. Juli berichtete The Guardian, dass der Lobbydruck der Branche zunahm, nachdem am ersten Tag der Sommerferien Warteschlangen von bis zu zwei Stunden an den französischen Kontrollstellen im Hafen von Dover registriert wurden. Das seit April voll funktionsfähige EES verlangt von Nicht-EU-Bürgern – darunter auch Briten – bei der ersten Einreise alle drei Jahre die Abgabe von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern. Während Spanien und Portugal bei starken Besucherzahlen zeitweise auf die biometrische Erfassung verzichtet haben, geben französische Beamte an britischen Grenzstellen an, durch Schengen-Regeln eingeschränkt zu sein. Burnham gilt als wichtiger Verbündeter, da die Manchester Airport Group (MAG) das verkehrsreichste nördliche Drehkreuz Großbritanniens betreibt und befürchtet, dass Verzögerungen die neu eingeführten Geschäftsverbindungen nach Bangkok und Boston beeinträchtigen könnten. Laut ABTA werden allein in den nächsten zwei Wochen 2,1 Millionen britische Reisende nach Spanien fliegen, wobei Manchester 14 % dieses Verkehrs abwickelt. MAG plant als Notfallmaßnahme zusätzliches Personal und bessere Beschilderung einzusetzen, warnt jedoch, dass Verzögerungen an den französischen Kontrollstellen in Dover, Folkestone und St Pancras zu verpassten Flügen in Manchester und anderen Flughäfen über Zugverbindungen führen könnten. Für Fachleute im Bereich Mobilität unterstreicht diese Entwicklung die Notwendigkeit, Reisende über mögliche biometrische Erfassungen zu informieren, längere Mindestumsteigezeiten vorzuschlagen und Remote-Arbeitsbeginnzeiten so zu planen, dass unvorhersehbare Rückreiseverzögerungen berücksichtigt werden. Unternehmen, die häufige Kurzaufenthalte innerhalb der 90/180-Tage-Schengenregel organisieren, sollten die EES-Daten ihrer Mitarbeiter genau überwachen, um Überziehungen und damit verbundene automatische Bußgelder zu vermeiden. Langfristig hoffen die Fluggesellschaften, dass das im Herbst pilotierte EU-Digitale-Reise-Zertifikat es Inhabern britischer Pässe ermöglicht, biometrische Daten bereits von zu Hause aus zu erfassen – ähnlich wie Australiens SmartGate. Bis dahin müssen Unternehmensmobilitätsrichtlinien das Risiko von EES-Warteschlangen als festen Kostenfaktor bei Reisen nach Europa einplanen.
Quelle: The Guardian