
Während Indien sein umfassendes maritimes Sicherheitsnetz ausbaut, entwickelt sich im ukrainischen Hafen Chornomorsk eine Mikrokrise. Das Stückgutfrachtschiff MV AMIR1 liegt seit über 48 Stunden vor Anker, mit 15 Besatzungsmitgliedern an Bord – davon 13 Inder. Grund dafür sind wiederholte Drohnen- und Raketenangriffe, die den Frachtverkehr entlang der Schwarzmeerküste erheblich behindern. Die Forward Seamen’s Union of India (FSUI) schlug am 29. Juli Alarm und warnte, dass Splitter von nahegelegenen Explosionen bereits die Aufbauten des Schiffes beschädigt hätten. Die indische Botschaft in Kiew erklärte, sie stehe „in ständigem Kontakt mit allen zuständigen Behörden“ und habe angeboten, eine Marineeskorte zu koordinieren, sobald sichere Korridore ausgewiesen werden. Die Familien der Besatzungsmitglieder, überwiegend Maschinisten aus Gujarat und Odisha, wurden am Donnerstagmorgen per Videoanruf informiert. Eine Evakuierung gestaltet sich jedoch schwierig, da die Wellenbrecher von Chornomorsk seit dem Zusammenbruch des von der UN vermittelten Getreideabkommens 2025 teilweise vermint sind und Russland faktisch eine Blockade ukrainischer Exporte aufrechterhält. Nach den Regeln der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) erfordert jede zivile Evakuierung sowohl die Zustimmung des Flaggenstaates als auch des Hafenstaates – eine Genehmigung, die bislang von keiner Seite erteilt wurde. Die Reederei gibt an, dass die täglichen Ausfallkosten über 35.000 US-Dollar liegen, was die wirtschaftlichen Risiken verdeutlicht. Dieser Vorfall folgt auf zwei tödliche Angriffe Anfang Juli, bei denen mindestens fünf indische Seeleute auf anderen Schiffen ums Leben kamen. Neu-Delhi hat sowohl in Moskau als auch in Kiew Protestnoten eingereicht und betont, dass zivile Schifffahrt vom Konflikt ausgenommen bleiben müsse. Experten weisen darauf hin, dass Indiens Getreidehandel mit der Ukraine, der 160 Schiffe umfasst, bereits um 60 % im Jahresvergleich eingebrochen ist; Logistikteams könnten nun auf alternative Schwarzmeerhäfen in Rumänien und Bulgarien ausweichen, wobei jedoch zusätzliche Lkw-Zuschläge mögliche Preisvorteile zunichtemachen könnten. Für Mobilitätsmanager ist der Fall eine deutliche Mahnung, dass Kriegsklauseln in Verträgen keine theoretische Größe sind. Unternehmen, die indische Seeleute beschäftigen, werden dringend aufgefordert, ihre Kriegsrisikoversicherung zu überprüfen und sicherzustellen, dass Notfall-Evakuierungspläne auch nicht-kämpferische Korridore abdecken, die mit 24-stündiger Vorankündigung aktiviert werden können.
Quelle: India Shipping News