
Daten von S&P Global vom 30. Juli zeichnen ein vorsichtig positives Bild für Reeder, die sich Sorgen um die beiden Engpässe machen, durch die ein Fünftel des weltweiten Seeverkehrs läuft. Laut dem Analyseunternehmen passierten am 27. Juli 32 Schiffe die Bab el-Mandeb und 15 den Persischen Golf (Straße von Hormus) – Zahlen, die trotz einer Reihe von Drohnenangriffen auf Tanker etwa dem Juli-Durchschnitt entsprechen. Die Flotte bestand aus VLCCs mit saudischem Rohöl, Produkttankern, Containerschiffen und kleineren Landungsbooten, wobei etwa ein Drittel der Schiffsbewegungen durch die Bab el-Mandeb ins Rote Meer und weiter zum Suezkanal führte. Auffällig: Fünf Schiffe im Hormus-Passage waren „dunkel“ unterwegs, also ohne aktive AIS-Sender, was auf anhaltende Grauzonenaktivitäten im Golf hinweist. Analysten verweisen zudem auf einen Rekordbestand von 47 Millionen Barrel iranischem Öl in schwimmenden Lagern – ein Anstieg von 30 Millionen Mitte Juli – da Sanktionen und Risiken bei der Routenplanung die Entladepläne erschweren. Für die indische Wirtschaft bedeuten stabilere Mengen weniger kurzfristige Frachtraten-Spitzen. Indien bezieht über 60 % seines Rohöls aus Westasien; anhaltende Störungen hätten Raffinerien gezwungen, auf Fracht aus dem Atlantikraum auszuweichen, was Frachtratenprämien von bis zu 2 US-Dollar pro Barrel zur Folge gehabt hätte. Exportorientierte Hersteller, insbesondere aus den Bereichen Pharma und Textilien, können kurzfristig mit planbaren Fahrplänen rechnen. Compliance-Teams sollten jedoch die Versicherungsbedingungen genau beobachten: Die Kriegsrisikoprämien für Frachttransporte durch den Hormus liegen derzeit bei 0,75 % des Schiffswerts – fast dreimal so hoch wie vor einem Jahr. Spediteure sollten zudem mögliche sekundäre Sanktionen der EU oder der USA gegen Schiffe im Auge behalten, die im Golf ihr AIS ausschalten – ein Verhalten, das Regulierungsbehörden zunehmend als Warnsignal werten.
Quelle: India Shipping News