
Australiens Lebensmittelproduzenten schlagen Alarm, nachdem die Bundesregierung eine drastische Verschärfung des Working Holiday Maker (WHM)-Programms bestätigt hat. Laut den am 19. September von Innenminister Tony Burke vorgestellten Reformen wird die Zahl der zweiten WHM-Jahresvisa auf 45.000 Plätze begrenzt – ein Rückgang von 57.000 in diesem Jahr – während die Verlängerungen für das dritte Jahr auf nur noch 5.000 reduziert werden. Bewerber müssen künftig an einer Lotterie teilnehmen, anstatt automatisch eine Verlängerung zu erhalten, berichtet ABC Rural. Rucksacktouristen mit den Visa-Klassen 417 und 462 stellen etwa jeden siebten Erntehelfer während der Hauptsaison. Branchenverbände befürchten, dass die neue Obergrenze mit den Mango-, Beeren- und Sommergetreidesaisons kollidiert, was dazu führen könnte, dass Obst verdirbt und die ohnehin angespannten Lebensmittelversorgungsketten weiter belastet werden. Kylie Porter, Geschäftsführerin der Queensland Farmers’ Federation, warnte, dass ein Lotteriesystem „die Ernährungssicherheit Australiens gefährdet“ und potenzielle Bewerber davon abhalten könnte, sich auf Jobs in ländlichen Regionen einzulassen. Die Regierung argumentiert, die Obergrenzen seien notwendig, um die Nettozuwanderung zu reduzieren und die Landwirtschaft stärker auf stabilere Arbeitskräfte aus dem Pacific Australia Labour Mobility (PALM)-Programm auszurichten. Wissenschaftler wie Dr. Kaya Barry von der Griffith University weisen jedoch darauf hin, dass kleine, familiengeführte Betriebe auf hochmobile Rucksacktouristen angewiesen sind, die der Erntesaison flexibel folgen können – eine Flexibilität, die langfristige PALM-Einsätze nicht bieten. Citrus Australia und Berries Australia berichten, dass sich die Bearbeitungszeiten für Visa bereits von wenigen Tagen auf bis zu drei Monate verlängert haben, was die Engpässe verschärft. Einige Produzenten erwägen, die Anbauflächen zu verkleinern oder die Erntesaison vorzuverlegen, was zu höheren Supermarktpreisen über Weihnachten führen könnte. Ein kleiner Trost ist, dass die Landwirtschaft unter den neuen Fachkräftevisa-Richtlinien 121 und 122 als prioritäre Branche gelistet wird, was erfahrenen Maschinenführern und Agronomen einen möglichen Zugang eröffnet. Migrationsberater warnen jedoch, dass Arbeitgeber sich nicht auf diesen Weg für Erntehelfer auf Einstiegsniveau verlassen können, und raten den Betrieben, die lokale Rekrutierung zu intensivieren und sich für Übergangsregelungen einzusetzen.
Quelle: ABC News