
Während die Aufmerksamkeit vor allem auf die am Boden gebliebenen Flugzeuge in Belgien gerichtet ist, kämpfen die Verantwortlichen in der Lieferkette mit einer ebenso gravierenden Störung auf See. Ein seit dem 9. März andauernder Streik der Eisenbahnsignaltechniker hat sich zu einem vollständigen Ausstand der Hafenlotsen, Schlepperbesatzungen und maritimen Verkehrsleiter in Antwerpen-Brügge und Zeebrügge ausgeweitet – dem zweitgrößten Containerhafen Europas. Eine Analyse der Automatic Identification System (AIS)-Daten durch IndexBox zeigt, dass sich die Schiffsstaus in der Nordsee über Nacht verdoppelt haben, während mehrere Fernverkehrsdienste ihre Anläufe ganz ausfallen lassen. Die Gewerkschaften erklären, dass sich der Protest gegen geplante Rentenreformen richtet, die die Altersbezüge um bis zu 25 % kürzen könnten. Die Verhandlungen mit dem Bundesminister für Mobilität sind letzte Woche ins Stocken geraten, woraufhin die Gewerkschaften ihre Hafenaktionen mit dem heutigen landesweiten Streik koordiniert haben. Der Hafen Antwerpen-Brügge schätzt, dass es „mehrere Tage“ dauern wird, die Rückstände nach Wiederaufnahme des normalen Betriebs abzubauen. Automobilhersteller warnen vor Produktionsstopps in den Montagewerken in Flandern, falls bis zum Wochenende keine Ersatzteile per Straße eintreffen. Logistikdienstleister haben Notfallpläne aktiviert: Maersk und MSC leiten ihre Asien-Europa-Routen nach Rotterdam und Le Havre um, während RoRo-Betreiber Fracht in Dünkirchen entladen und nur noch „Merchant Haulage“-Hinweise ausgeben. Exporteure von Chemikalien und Pharmazeutika – Belgiens zwei wichtigsten Warengruppen – sehen sich mit verpassten Lieferfenstern und möglichen Temperaturabweichungen konfrontiert, da Kühlcontainer ungenutzt am Kai stehen. Für Mobilitäts- und Umzugsteams ist das unmittelbarste Problem die Verzögerung bei Haushaltsgütern und Firmenfracht. Spediteure empfehlen, Entsandte darüber zu informieren, dass diese Woche gebuchte Zollabfertigungsfenster verfallen könnten; zusätzliche Lager- und Liegegebühren könnten schnell anfallen. Arbeitgeber, die auf Just-in-Time-Logistik für Ersatzteile angewiesen sind, sollten tri-modale Routen über die Binnenterminals in Gent oder per Bahnshuttle von deutschen Seehäfen prüfen. Für die Zukunft drohen die Gewerkschaftsführer weitere Streiktage in den Häfen im April, falls die Regierung an einem einheitlichen Rentensystem festhält. Multinationale Unternehmen mit belgischen Standorten werden dringend aufgefordert, ihre Business-Continuity-Pläne zu aktualisieren und eine Verteilung der Lagerbestände auf Nachbarländer in Betracht zu ziehen, um die Verwundbarkeit zu reduzieren.
Quelle: IndexBox News